AIMLESS



Eigentlich stehe ich ja gar nicht auf diesen zur Zeit so angesagten Metalsound, um so erstaunter war ich, als mir diese Band gleich beim ersten Anhören so gut gefiel. Dies liegt vielleicht an dem gelungenen Einsatz von echten Streichinstrumenten, der für ein Debut sehr guten Aufnahmequalität, dem ausdrucksstarken weiblichen Gesang oder dem dynamischen Wechsel zwischen aggressiven und gefühlvoll langsamen Passagen, wahrscheinlich aber an allem zusammen. AIMLESS existieren erst seit Ende 1994, sind also waschechte Newcomer, dennoch haben sie schon einen Plattenvertrag an Land ziehen können, nachdem sie diese Debut-CD in Eigenproduktion aufgenommen hatten, die nicht nur mich gleich überzeugen konnte. Am gleichnamigen Debut haben neben den Bandmitgliedern Sandra Meyer (Gesang), Daniela Grünewald (Violine), Jörg Stoffregen (Gitarre), Michael Bousonville (Bass) und Holger Rodamer (Schlagzeug) noch Ruth Thoma (Viola) und Claudia Eberhardt (Violoncello) mitgewirkt.

Euer düsterer, leicht metallastiger Sound ist auf der Höhe der Zeit und wirkt erstaunlich professionell, so daß sich die Frage nach dem Wirken von jedem einzelnen von Euch vor AIMLESS aufdrängt. Stellt Euch doch mal vor!


AIMLESS: Also Sandra studiert Philosopie und hat vor Aimless noch nie in einer Band gesungen, Michael unser Bassist ist Tontechniker, kümmert sich um alle technischen und organisatorischen Dinge und hat auch unsere CD aufgenommen. Jörg studiert Psychologie und hat vorher in mehreren Hardcorebands gespielt, Holger macht eine Lehre als Werkzeugmacher und hat bisher in Metalbands gespielt. Ich (Jörg) studiere BWL und habe vor AIMLESS wie Sandra noch nie in einer Band gespielt. Aber keiner von uns hat vor AIMLESS in einer bekannteren Band gespielt.

Die von Euch auf Eurem Debut-Album dargebotene Musik würde ich als kraftvoll- melodiöse Mixtur von Mittelalter und Dark Metal bezeichnen, eine reichlich ungewöhnliche Mischung. Wie ist Euer Sound entstanden?

AIMLESS: Naja, Mittelalter und Darkmetal sind mittlerweile nichts ungewöhnliches mehr, im Gegenteil, ich würde fast von einem Trend sprechen. Unseren Sound würde ich auch nur bedingt in diese Beschreibung einordnen. Der Mittelalteraspekt hat für uns eigentlich keine Bedeutung und ist eher zufällig in die Musik eingeflossen. Wenn Du uns nach Vorbildern fragst, dann sind das eher NEW MODEL ARMY als THEATRE OF TRAGEDY. Unser Sound ist stark dadurch geprägt, daß wir alle auf Songs in der Tradition der Achtziger stehen und den vielfach reinen "Klangcollagen", wie sie z.B. bei Gruppen wie T.O.T. der Fall sind, nicht viel abgewinnen können.

Was sind Eure Einflüsse? So konnte ich manchmal eine gewisse Ähnlichkeit mit INTO THE ABYSS feststellen, wenngleich bei denen nicht alles wie aus einem Guß klingt wie bei AIMLESS. Kennt Ihr überhaupt viele Gruppen aus dem Gothic-Bereich?

AIMLESS: Unsere Einflüsse sind ziemlich verschieden und gehen von Wave bis EBM bis zu traditionellem Metal. Für mich ist es eigentlich immer wieder ein Wunder, daß wir es überhaupt schaffen, zu einer Musik zu finden. Alle Mitglieder von AIMLESS unterscheiden sich in ihren Einflüssen und ihrem Leben derart, daß man sich kaum vorstellen kann, alle unter einen Hut zu bringen. Der gemeinsame Nenner, was unseren Musikgeschmack betrifft, ist eine Vorliebe für eigenständige Musik, die Atmosphäre und Stimmung īrüberbringen kann. Wir mögen ausdrucksstarke Lieder, wie sie Bands wie THE CURE, METALLICA oder eben NMA gemacht haben und auch das hat einen entscheidenen Einfluß auf unsere Art Musik zu machen , unabhängig davon, ob ein Stück mehr in Richtung Folk. Metal oder Wave tendiert. Ich muß auch sagen, daß wir uns in der Gothicszene nicht besonders gut auskennen, wobei sich das mittlerweile auch schon etwas geändert hat. Wenn man ständig mit Bands verglichen wird, von denen man noch nie etwas gehört hat, fängt man natürlich an, sich mit der Materie zu beschäftigen. Wir beziehen unsere Einflüsse aber definitiv nicht aus der Gothicszene.

Ihr habt ja gerade frisch einen Plattenvertrag ergattern können. Inwieweit wirkt sich der Übergang auf diese Stufe auf Euer Wirken aus? Ein erhöhter Streßfaktor liegt ja nahe...

AIMLESS: Genau das Gegenteil ist der Fall. Wir haben die CD komplett selbst Produziert, promotet und vertrieben, durch den Deal mit Dion Fortune wird und eine Menge Arbeit abgenommen, die wir vorher selber machen mußten. Wir haben auch schon immer extrem viele Konzerte gespielt, ca. 50 im Jahr, und diese zum größten Teil selber organisiert und oft noch die komplette Anlage auf und abgebaut. Ich kann mir also nicht vorstellen, daß wir durch die Zusammenarbeit mit einem professionellen Partner unbedingt mehr Streß haben, zumal wir die Bandarbeit schon immer sehr ernst genommen haben.

Was haltet Ihr eigentlich als bislang Unbefleckte von diesem kommerziellen Musikzirkus?

AIMLESS: Ganz so unbefleckt sind wir durch unser Selbstmanagement mittlerweile nicht mehr. Natürlich gibt es gerade im Musikgeschäft viele Leute, die einen über den Tisch ziehen wollen, aber auch genügend Leute, die sich bereitwillig über den Tisch ziehen lassen. Die Naivität vieler Bands ist unglaublich. Daß sonst eigentlich ganz normale Menschen beim Wort "Plattenvertrag" zu willenlosen Zombies mutieren und jeden Müll unterschreiben, ist einfach nur erschreckend. Keiner kann mir erzählen, daß er nicht über irgendeine Ecke Zugang zu einem Jurastudenten hat, der ihn wenigstens darüber aufklärt, unter was er seine Unterschrift setzt. Ansonsten ist der Musikzirkus ein Geschäftszweig wie jeder andere und da unterscheiden sich Majors, Indies, Fanzines und die großen Magazine kaum voneinander, wirtschaftlich müssen sie, bis auf ein paar Idealisten, alle arbeiten.

Wird man AIMLESS demnächst auch einmal live erleben können, auf einer ausgedehnten Tour? Oder überlaßt Ihr die Promotionarbeit vollends Eurem neuen Label?

AIMLESS: Wir haben von Beginn an versucht, soviele Konzerte wie möglich zu spielen und fühlen uns auf der Bühne wohler als im Studio. Viele unserer Lieder sind einfach dazu bestimmt, live gespielt zu werden, weil sich erst da die Stimmung wirklich entfalten kann. Wir wissen auch, daß wir live spielen müssen, um bekannter zu werden. Dion Fortune schalten zwar Anzeigen für uns und machen auch sonst sehr gute Promoarbeit, aber das reicht natürlich nicht aus, um sich wirklich durchzusetzen. Neben vielen Einzelkonzerten, die im Moment noch in Planung sind, werden wir voraussichtlich im Januar auf Tour gehen. Genaueres wird sich aber erst in den nächsten Wochen entscheiden.

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