ALSO



Wie schwierig es für eine Band im düsteren Musikbereich sein kann, zeigt sich gut am Beispiel der norddeutschen Formation ALSO, die seit 1990 bereits 11 Kassetten veröffentlicht hat und immer noch ohne Plattenvertrag ist. Dies liegt zum einen sicherlich daran, daß dieser Art des Tonträgers von vorneherein wenig Interesse entgegengebracht wird, als ob die darauf befindliche Musik gar nicht gut sein könnte - was bei ALSO mit ebensolcher Sicherheit definitiv nicht der Fall ist - zum anderen in der fehlenden Unterstützung durch ein Label. Es ist wohl leider so, daß in der Industrie wenig Risikobereitschaft existiert, Projekte zu fördern, die nicht sofort in eine Schublade zu stecken sind, da auch die kleinen ´Independent`- Firmen auf ihren Umsatz angewiesen sind und deshalb überwiegend auf sichere Pferde setzen. Eine Band erscheint dann unrentabel, wenn man nicht nach dem ersten Takt sagen kann:´...das klingt doch wie...`, was gerade im Fall von ALSO ein Problem darstellt. Zwar lassen sich die Einflüsse von BAUHAUS oder JOY DIVISION heraushören, trotzdem ist ihr Sound derartig eigenständig und abwechslungsreich, daß die Bereitschaft, sich mehr als nur oberflächlich mit der Musik auseinanderzusetzen, die Voraussetzung für den Zugang zur Musik von ALSO ist. Was eigentlich ein Qualitätsmerkmal ist, führt leider zu oben genannten Schwierigkeiten.

ALSO: Uns schwebt bestimmt nicht vor, mit unserer Musik reich zu werden, doch können und wollen wir nicht alleine unser letztes Geld opfern, um die sicherlich für unsere Musik vorhandenen potentiellen Hörer zu erreichen.

Bei ALSO handelt es sich zwar nicht um eine reine Heimstudioformation, ihre letzten Live-Auftritte liegen jedoch bereits etwas zurück, was organisatorische Gründe hat - als unbekannte Band kann man keinen ganzen Saal füllen, so daß viele Veranstalter von vornherein davor zurückschrecken, einer Band wie ALSO die Möglichkeit eines Konzertes zu bieten. Bleibt nur zu hoffen, daß der Beitrag auf dem Hex Files - Vol.1 Sampler die Aufmerksamkeit derjenigen weckt, die noch wirklich an Musik interessiert sind. Zu entdecken gibt es viel, insbesondere das ´94er Tape "Cold Rooms" besticht durch seine düstere Wave/GothRock - Variante und ist uneingeschränkt empfehlenswert. Aber auch die aktuelle Kassette "wraiths" ist eine Anschaffung wert, ruhige, minimalistische Musik, die ein wenig an die "Acoustic" CD von DEINE LAKEIEN erinnert, zeigt eine völlig andere Seite von ALSO.

Die Kritiken sind bislang durchweg positiv ausgefallen, hat sich dieses auch auf die Nachfrage ausgewirkt? Zumindest in Deutschland seid Ihr ja leider nur ein Geheimtip, sieht dies im Ausland anders aus?


ALSO: Wir haben letztendlich nur dadurch von unserer Mitwirkung auf dem Hex Files Vol. I Sampler erfahren, daß uns Leute aus Spanien, den USA und Frankreich plötzlich um Tapes und Informationen baten. Tatsächlich ist es aber so, daß auch vorher schon die meisten Anfragen aus dem Ausland stammten. So ist es wohl auch zu erklären, daß wir derzeit Anerkennung durch einen in England produzierten Sampler bekommen.

Die offensichtliche stimmliche Ähnlichkeit zu Peter Murphy (BAUHAUS) ist ja nicht nur mir aufgefallen - wie stark ist dieser Einfluß auf Euch, wie wirkt sich dieser heute noch aus? Ich denke da an die große Experimentierfreudigkeit bei Euch, wie sie in den ´90ern leider nur noch selten vorzukommen scheint.

ALSO: Wir bewundern generell Bands, die eine große Ausdrucksvielfalt besitzen. BAUHAUS konnten düster, wild, humorvoll und kitschig sein und bewahrten dabei doch meistens ihre Identität. Zumindest diese Offenheit, den Willen, nicht von vornherein auszuschließen, ohne es zu probieren, finden wir durchaus nachahmenswert. Es gibt zu viele - gerade Dark Wave/Gothic Bands - die Angst davor zu haben scheinen, etwas unerwartetes zu tun, etwa Humor zu zeigen. Aber auch das ist ein Teil des Lebens - gerade auch der ´dunklen` Seite - und damit auch unserer Musik. Unsere Elvis-Coverversionen z.B. sind bestimmt nicht todernst zu verstehen, so sehr wir Elvis auch mögen.

Weniger offensichtlich - zumindest für mich - ist der Einfluß der von Euch genannten Dichtern/Philosophen G.Trakl und Albert Camus. Welche Gedankenwelt steht dahinter und eventuell auch hinter dem Schaffen von ALSO?

ALSO: Camus bedeutete, als wir begannen, eine Art gedanklichen Ausgangspunkt für unsere Texte und unsere Musik. Camus meinte - sehr vereinfacht -, daß es nötig sei, die Sinnlosigkeit des Lebens zu akzeptieren und diese Erkenntnis als Anstoß für einen persönlichen Kampf gegen die Absurdität des Daseins zu nutzen. Für unsere Arbeit bedeutete das, daß wir uns nie als Anhänger eines Systems, einer Religion oder ´Szene` sahen, sondern uns eine eigene Möglichkeit der Existenz schaffen wollten. Der diesem Gedanken innewohnende tragische, düstere Aspekt des Sinnlosen, Verlorenseins einerseits, aber auch das Aufbegehren und das durchaus positive Sich-nicht-damit-Abfinden-wollen andererseits charakterisiert auch heute noch unsere Musik.
Der Einfluß Georg Trakls hingegen rührt aus der Beschäftigung mit diesem Dichter anläßlich eines Konzeptwerkes mit dem Titel ´Georg - a Reqiem` her. Wenige haben den aller Schönheit innewohnenden Verfall und die Grimassen der Perversion des Alltäglichen stärker empfunden - und daher poetischer beschrieben - als er.

Auf Eurer aktuellen Kassette, "wraiths", habt Ihr wieder ein Motto als roten Faden auserwählt, jedes Stück hat einen Zusatztitel, der eine spezielle Art des Todes bezeichnet. Aus welchem Grund habt Ihr dieses Thema gewählt, was bedeutet Euch allgemein ein Motto?

ALSO: Am Beginn stand ein rein musikalischer Gedanke. Wir wollten austesten, welche Möglichkeiten wir einzig auf uns gestellt, ohne Hilfe von Sequenzern und Overdugs mit herkömmlichen, hauptsächlich akustischen Instrumenten haben - die wir nicht immer zwangsläufig beherrschen mußten. Wir fanden es interessant, dieses musikalische Konzept, wie bei unseren anderen Werken auch, durch einen einheitlichen außermusikalischen Gedanken zu ergänzen. Der `Vorgang des Sterbens`als Motto erscheint vielleicht simpel, aber in der Vergegenwärtigung dieses - für uns alle ja existentiellen Moments - verbinden sich so viele Gedanken und Empfindungen gegensätzlichster Art. Nichts kann so etwas gleichermaßen Grauenvolles, Verstörendes, Armseliges aber auch Leidenschaftliches und Poetisches vermitteln wie ein sterbender Mensch. Nachdem die ganze westlich-christliche Kultur auf dem Sterben eines Menschen beruht, ist es erhellend, sich klar zu werden, wie inflationär ein sterbender Mensch heutzutage ist.

Bisherige Veröffentlichungen von ALSO (neben Samplerbeiträgen) bis 1997:

Sisyphos (1990, Eigenvertrieb)
Elegie (1991, Eigenvertrieb)
Enter The Subway (1991, Eigenvertrieb)
Georg (1992, Eigenvertrieb)
Wonderful Day (1992, No Control Torture)
The Void Is Calling (1993, No Control Torture)
Heute Nacht (1993, Eigenvertrieb)
Vahr (1993, Eigenvertrieb)
Cold Rooms (1994, No Control Torture; Amöbenklang)
Vincent Price´s Favourite Torture Song (1995, Amöbenklang)
Wraiths (1997)


Kontaktadresse: ALSO - c/o Oliver Gnaß - Metzstr.72 - 24116 Kiel

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