DEAD CAN DANCE

dead can dance live 2005 münchen

Live in der Philharmonie Am Gasteig München (27.03.2005

Lediglich drei Abende beehrten DEAD CAN DANCE ihr deutsches Publikum auf der diesjährigen Welttournee, wobei hieran lediglich die Tatsache ungewöhnlich war, daß diese herausragende Gruppe, für die das Wort Kult im wahrsten Sinne des Wortes zutreffend ist, überhaupt wieder zusammengekommen ist und dies sogar auf einer Bühne mitzuerleben war. Ich habe schon in der letzten Ausgabe des GOTHIC Magazines über die Ausnahmeformation und ihre faszinierende Geschichte ausführlich berichtet, so daß ich mich im folgenden ausschließlich auf dieses atemberaubende Konzertereignis konzentrieren will, um diejenigen, die nicht an diesem Abend dabei sein konnten, wenigstens den Hauch dieses Zaubers verspüren zu lassen, wie er von jedem der anwesenden Personen in der Philharmonie am Gasteig gefühlt werden konnte.

Die knisternde Atmosphäre in der für die fast ausschließlich schwarzgekleideten Konzertbesucher ungewöhnlichen Münchener Philharmonie baute sich schon Stunden vor dem Veranstaltungsort auf und steigerte sich von Minute zu Minute nach dem Einlaß in diesen klassischen Konzerttempel, der für das folgende Konzert perfekt ausgesucht war. Die große Bühne übersäht mit einer Vielzahl von Instrumenten, von mittelalterlichen und klassischen bis hin zu modernen wie Gitarren und Synthesizern, vor allem aber eine Unmenge an percussiven Variationen aller Art, füllte sich endlich wenige Momente nach dem offiziellen Beginn mit den so lange vermißten Hauptpersonen, Lisa Gerrard und Brendan Perry, sowie ihren musikalischen Begleitern.

Wie ihr letztes Studioalbum „Spiritchaser" eröffnete auch das Konzert der schöne Song „Nierika", um dann in das bislang nur auf dem Livealbum „Toward The Within" veröffentlichte „Rakim" überzugehen, sogleich eine nahezu feierliche und erhabene Stimmung im gesamten Raum erzeugend. Die nun erklingenden wie auch nach jedem auf das wundersamste dargebotenen Lied folgenden begeisterten Ovationen setzten sich über das ganze Konzert hin fort, immer wieder erfüllt mit enthusiastischen Zurufen und anderen Bekundungen des vollkommen hingerissenen Publikums. Ein erster Höhepunkt, eines der vielen noch unbekannten Stücke, die insgesamt mindestens eine halbe Stunde des Konzertes in Anspruch nahmen, folgte gleich als drittes - gewaltiger und ungemein lebendiger Schlagzeugeinsatz gepaart mit der schamanengleichen Stimme von Brendan Perry, dem man nur in den Pausen anmerkte, daß er leicht angeschlagen war, lassen hoffen, daß zumindest dieses Lied den Weg auf den nächsten Tonträger findet, so dieser denn von DEAD CAN DANCE endlich aufgenommen wird. Die wenigen Glücklichen, die eine der streng limitierten Liveaufnahmen des Konzertes ergattern konnten, die die Band über www.dcddiscs.com schon im Vorfeld sowie die letzten Exemplare zur Vorbestellung am Verkaufsstand an diesem Abend vertrieben hatte, werden zumindest in den Genuß kommen können. Alle anderen müssen wohl hoffen, wenigstens über Ebay ihr Glück zu finden.

Ein Querschnitt aus ihrem immensen Schaffen und fast all ihren Alben, mit unvergeßlichen Momenten wie Black Sun", „Severance", „Sanvean", „I Can See Now"/„American Dreaming", „The Wind That Shakes The Barley", „How Fortunate The Man With None" oder „Yulunga", zeigten DEAD CAN DANCE in absolut perfekter Form, so daß die lange Pause des gemeinsamen Auftretens überhaupt nicht aufzufallen vermochte. So facettenreich die Musik und die dabei entstehenden Gefühle waren, so ergriffen war man von Lied zu Lied, die Zeit vergessend und fliegend zu den traumhaften Melodien und immer wieder aufwühlenden Rhythmen, vor allem aber durch die ungemein schönen Stimmen, von denen wie immer sich Lisa Gerrard mit ihrer einzigartigen Art des vocalen Gesangs hervortat - ohne daß ihr Gegenpart Brendan Perry mit seiner ruhigen und tiefen Stimme auch nur ansatzweise abfiel. Die Stille, die sich nach jedem der frenetischen Begeisterungsstürme über den Saal legte vor dem Beginn eines der weiteren Songs, mit denen die fast zweieinhalb Stunden dieses so ungemein gelungenen Abends gefüllt wurden, zeigte immer wieder, wie gebannt alle Anwesenden den hochkonzentrierten und doch gleichzeitig so gefühlvoll agierenden Musikern auf der Bühne lauschten. Lediglich bei dem aus der Renaissancezeit stammenden „Saltarello", einem der vielen an diesem Märzabend von DEAD CAN DANCE dargebotenen Klassikern, war das Publikum auch während des Stückes nicht zu halten - stehende Ovationen waren an diesem Abend nicht nur dem Ende des Konzertes vorbehalten.

Als dann nach zwei traumhaften und auch langen Zugaben, die sich das schier endlos in vollster Lautstärke klatschende und jubelnde Publikum, welches endgültig nicht mehr auf den Rängen sitzend auszuharren vermochte, wahrhaft verdient hatte, das Konzert voller Magie doch ein Ende mit dem von Lisa Gerrard gesungenen aus der „Gladiator"-Zeit stammenden, jedoch nicht auf dem Soundtrack oder im Film veröffentlichten „Hymn For The Fallen" fand, war der Nachhall dieses Ereignisses noch lange bei allen Teilhabern dieses Erlebnisses spürbar. Lächelnde, in sich gekehrte und beglückte Gesichter taumelten beseelt in die Münchener Nacht hinaus, kaum den Alltag wahrnehmend bei diesen frischen, zauberhaften Erinnerungen...

Gespielt wurde: Nierika, Saffron, Yamyinar, The Ubiquitous Mr. Lovegrove, The Love That Cannot Be, The Lotus Eaters, Crescent, Minus Sanctus, Saltarello, The Wind That Shakes The Barley, How Fortunate The Man With None, Dreams Made Flesh, I Can See Now, American Dreaming, Sanvean; Rakim, Black Sun, Salems Lot; Yulunga, Severance; Hymns For The Fallen

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