EA 80 - Eigenständiger Düsterpunk voll verzweifelter Energie



Die Zeit scheint es momentan gut mit den Gesinnungsgenossen von EA 80 zu meinen, ist doch gerade erst ihre neue LP "Schweinegott" erschienen, bei der man, wie immer, zuerst die Texte verschlingt, um sie beim x-ten Hören der Stücke erneut mitzulesen und tiefer zu verstehen. Und in Kürze, noch vor dem Sommer, wird eine neue 10" EP mit zwei sehr langen Stücken erscheinen, die ein ganz anderes Gesicht der Band zeigen werden als auf "Schweinegott". Die Zeit ist nämlich nicht spurlos an den Mönchengladbachern vorbeigegangen, seit 1982 hat sich manches geändert, glücklicherweise jedoch nicht zuviel. Nach wie vor unverkennbar schlägt einem der melodiöse Gitarrenmix aus der dunkelsten Ecke des eigenen Zimmers entgegen, während der Gesang an die versteckten Ängste und offenen Frustrationen erinnert, bis man letztendlich voll neuer Kraft zurückgelassen wird. Die Gitarren sind ein wenig härter geworden, satter klingt der Anti-Rock voll schwärzester Gefühle und doch kann man mit "Keeney" und "Gast" wieder schnell warm werden, um mit diesen neuen Begleitern auch die anderen 10 Stücke langsam näher kennenzulernen. Es lohnt, wie immer. Ähnlich wie einst FEHLFARBEN mit ihrem Erstlingswerk "Monarchie und Alltag" verstehen es EA 80 seit ihren Anfängen intelligente deutsche Texte mit punkigen Gitarrensound zu verbinden, wobei er hier schon morbidere Züge annimmt. Eine Hommage an ihre Vorbilder lassen EA 80 dabei manchesmal ironisch miteinfließen - so wird der Gitarrenlauf beim Titelstück der 95er Platte "Grüner Apfel" gegen Ende zu dem von JOY DIVISIONīs "Ceremony", bei anderen Stücken vermeint man für einen Moment THE CURE herauszuhören. Und doch ist und bleibt EA 80 einzig und allein EA 80.

EA 80 ist nicht einfach eine Band. Hiervon gibt es schließlich schon genug, vielleicht schon viel zuviel. EA 80 ist eine Lebenseinstellung. Man kann sie für sich entdecken - muß es aber nicht, keiner verlangt das, keiner stört sich daran, am wenigsten die Band selber. Fernab jeglicher Nachfrageorientierung wirkt die verschrobene Formation aus Mönchengladbach fast unscheinbar in ihrem eigenen Mikrokosmos, den sie für sich vor 17 Jahren erschaffen und seitdem kontinuierlich weiterentwickelt hat. Ihre Platten haben mehr den Charakter von Tagebuchnotizen, die achselzuckend interessierten Lesern überlassen werden, als den von akustischen Konsumprodukten, wie sie unsere Medienwelt täglich zu Dutzenden auf den nahezu kritiklosen Musikmarkt wirft. Klischees wird man vergeblich suchen, ebensowenig wird man manche ihrer Veröffentlichungen in einem normalen Tonträgergeschäft finden. Kleine Auflagen, oftmals limitiert, machen ihre Platten und deren fast verächtlich behandelten digitalen Ableger zu Glücksgriffen, selbst für eingefleischte Fans. Ohne jede Marketingkampagne werden die Scheiben der Öffentlichkeit wie unter der Hand angeboten, als ob es die Band völlig kalt lassen würde, ob überhaupt irgend jemand ihre Werke zur Kenntnis nimmt. An Interviews mit der Band versucht man vergeblich zu gelangen, die Medien werden ebenso ignoriert wie ein größeres Publikum. Wichtiger als die breite Aufmerksamkeit ist das innere Verständnis, welches beim Hörer einfach vorhanden ist oder nicht. Der Kreis der Eingeweihten bleibt gerne unter sich und denkt nicht daran, Außenstehende mit den Klangkosmos von EA 80 bekannt zu machen - wer dieses seltsam hoffnungslos-schreiende aber nichtsdestotrotz bitter-lachende und kraftvolle "feeling" in sich trägt, wird eh eines Tages von selber auf diese Ausnahmeformation stoßen.

Kontakt: EA 80 - Beethovenstr. 6 - 41061 Mönchengladbach

Eine ausgezeichnete Fanpage findest Du hier: http://beam.to/ea80

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