LORE OF ASMODAY



Lore Of Asmoday (1996)

Beim düsteren Undergroundbereich verwischen sich immer mehr die Grenzen zum kommerziellen Musikzirkus. Die Innovation und das Gefühl in der Musik werden zugunsten der Eingängigkeit, dem Wiedererkennungseffekt und dem Aufbau eines verkaufsfördernden Images zurückgestellt. Was nicht den Weg über eine professionelle Produktion auf einen möglichst silbrig glänzenden Tonträger gefunden hat, wird selbst von denjenigen beharrlich ignoriert, die sich der schwarzen Szene zugehörig fühlen. Dabei lassen sich auch oder gerade auf Kassetten diverse, mehr oder weniger ungeschliffene Rohdiamanten entdecken.

Ein Beispiel hierfür ist die Formation LORE OF ASMODAY, die bereits seit 1989 existiert und seitdem acht Tapes veröffentlicht hat, dabei jedoch nicht über den Status eines Geheimtips hinausgekommen ist. Dieses könnte sich vielleicht mit dem letzten Werk, der MC "Cardo", ändern, dessen Vielseitigkeit und Tiefe schlicht ergreifend ist. Besonders atmosphärisch wirkt der Einsatz eines Didgeridoos, jenem mystisch klingendem Aboriginesinstrument, welches manchem wohl auch von dem TEST DEPT.-Album "Materia Prima" ein Begriff ist.

Möglicherweise ist es gerade dieses breite Spektrum an Musikstilen, die der verdienten Aufmerksamkeit bislang entgegenstand, wird der Klangbogen doch vom minimalistischen Dark-Wave mit mystischer Atmosphäre bis hin zum rituellen Industrial oder düsterer Mittelaltermusik gespannt. Heraus kommen Soundtracks für lediglich in der Phantasie existierende Filme. Um einen - unvollständigen - Vergleich zu bringen, die Stücke erinnern an eine Mischung aus den frühen SIX COMM, den besten Momenten von DAS ICH oder GOETHES ERBEN und einem Schuß DEAD CAN DANCE oder THE MOON LAY HIDDEN BENEATH A CLOUD. Derartig beschreibende Vergleiche sind dem Sänger und Mitbegründer der Band Rüdiger S. kein Dorn im Auge, lediglich von abwertenden Vergleichen hält er wenig. In diesem Zusammenhang ist ihm insbesondere die Distanzierung von den sogenannten "deutschen Todeskünstlern" ein Anliegen, denn wenngleich sie auch seit einiger Zeit deutsche Texte verwenden, so geschieht dies nur aus dem Grund, weil es die Muttersprache ist. Auf diese Weise könne man die Dinge direkter ausdrücken und so die Leute besser ansprechen. Ausserdem hätten sie diese Stilmittel bereits vor dem Erscheinen des ersten German Mystik Sound Samplers und damit vor dem Bekanntwerden dieser Gruppen entwickelt und verwendet.

Vor und neben L.O.A. hat Rüdiger S. verschiedene Musikprojekte am Laufen gehalten, so auch die Romantik Wave Gruppe FIELDS OF WINTER, die es auch auf eine Vinylveröffentlichung gebracht hat, der "Fairy Queen EP" (1993). Bei dieser Gruppe hat live auch ein Keyboarder mitgewirkt, der später mit der Formation SOPOR AETERNUS bekannt geworden ist. Während mit den diversen Projekten um die 50 Liveauftritte stattgefunden haben, ist L.O.A. erst drei mal live in Erscheinung getreten, darunter einmal als lokale Vorgruppe von KIRLIAN CAMERA. Weitere Angebote liegen vor, angesichts anstehender persönlicher Angelegenheiten der Bandmitglieder ist hier jedoch noch nichts spruchreif, ebensowenig ist klar, ob an weiteren Auftritte das gesamte Line Up mitwirken wird. Dieses besteht übrigens aus dem festen Stamm Sabine Siebert (Keyboard) und Rüdiger S. (Gesang und Programming) sowie seit Ende 96 aus Alexander Meister (Bass), Björn (Gitarre) und Lui (Didgeridoo, "the incredible Abflußrohr").

Auf einen festen Stil wollen sie sich nicht festlegen lassen, Musik müsse vielmehr spontan sein, aus diesem Grunde ziehen sie eine 4-Spur-Aufnahme einer ausgefeilten Studioaufnahme auch vor. Auch eine Rolle spielen sicherlich die schlechten Erfahrungen mit derartigen Produktionsweisen, welche selbst im Independentbereich nicht immer viel Freiraum gewähren würden. Der derzeitige Ritual Wave, den die Gruppe mache, werde sich in Zukunft mit dem neuen Line Up vielleicht ein wenig in Richtung Gothik entwickeln, aber dies müsse man erst antesten. Für den April 97 ist eine MCD auf Eigenkosten geplant, eventuell auch ein Full-Time-Album im Sommer. Dieser Schritt ist nach all den Jahren auf Tape dem Sänger ein besonderes Anliegen, schon so manches mal war er dicht daran, mit dem Musizieren aufzuhören, wenn im jeweiligen Jahr keine CD herauskommen sollte. Glücklicherweise hat bislang der Drang, sich musikalisch auszudrücken, die Oberhand behalten - und man kann nur hoffen, daß dieses in Zukunft so bleiben wird!

Kontakt: Asrai-Music, c/o Rüdiger Seibert, Wittmannstr. 28, 64285 Darmstadt. Foto: Lore Of Asmoday http://www.myspace.com/loreofasmoday

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