SOPHIA (Ex THE GOD MACHINE)

SOPHIA - people are like seasons - ex THE GOD MACHINE
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Es gibt Bands, deren Vorgeschichte stets eine Bemerkung wert ist. In ganz besonderem Maße ist dies bei SOPHIA der Fall - welches nicht zu verwechseln ist mit einem gleichnamigen Industrialprojekt sowie einigen nahezu gleichlautenden anderen Bands, deren Schreibweise aber variiert - handelt es sich doch um das Nachfolgeprojekt des ehemaligen Sängers und Gitarristen von THE GOD MACHINE, Robin Proper-Sheppard.

Anfang der Neunziger brachte eben jene Formation mit dem Namen THE GOD MACHINE, bei denen zudem noch Jimmy Fernandez (Bass) und Ronald Austin (Percussion sowie Piano) mitwirkten, zwei wundervolle Alben heraus, "Scenes from the second storey" und "One last laugh in the place of dying...", die auf den ersten Eindruck wie eine Mischung als NIRVANA und TOOL wirkten - wenn der Klang nicht weitaus düsterer und auch vielschichtiger wäre. Mit ihren zeitlos wirkenden, lärmenden bis einfühlsamen Songs, allesamt phenomenale melancholische Indie-Rock-Diamanten voller überaschender Tempiwechsel und Breaks, erspielten sich die drei aus New York übergesiedelten Wahl-Londoner schnell eine Fangemeinde und wurden absolut zu Recht mit den besten Kristiken überschüttet. Gleichwohl schafften es die Alben von THE GOD MACHINE nicht zu dem verdienten, d.h. nennenswerten Erfolg, auch wenn das Trio von ihrer begeisterten Hörerschaft nahezu kultisch verehrt wurde und immer noch wird. Dies mag auch daran liegen, daß eben jene tief-traurigen aber nichtsdestotrotz energiegeladen-brachialen Songs wie ein Balsam in dieser zerrissenen Zeit wirken kann. Lange vergriffen, kann man die Alben heute nur noch mit Glück bei Ebay oder ähnlichen Plattenbörsen für Unsummen ersteigern, denn trotz einer deutlichen Nachfrage werden die Platten und CD s unverständlicherweise nicht nachgepresst. Besser als diese ungeheure Nachfrage kann man die vorhandene Qualität wie auch die Wertschätzung kaum noch ausdrücken, die jenes Trio sich auch heute noch verdient hat.

Das viel zu schnell eingetretene Ende von THE GOD MACHINE ist so tragisch wie ihre Musik - völlig überraschend mußte der Bassist Jimmy Fernandez mitten während der Abmischung des zweiten Albums, "One last laugh in a place of dying", am 23.05.1994 ins Krankenhaus eingeliefert werden, verfiel ins Koma und verstarb noch am gleichen Tag an einem Gehirntumor. Von diesem Schock konnten sich die verbliebenden Bandmitglieder nicht erholen, direkt nach der Veröffentlichung des dem Verschiedenen gewidmeten letzten Albums lösten sich THE GOD MACHINE voller Trauer auf.

Nach fast drei Jahren des Schweigens tauchte Robin Proper-Sheppard durch die Gründung von SOPHIA wieder auf, auch wenn man bei der Dunkelheit, welches das erste Album "Fixed Water" verbreitet, kaum davon sprechen könnte, daß er mit diesem SOPHIA-Debut wieder ins Rampenlicht zurückgekehrt ist. Gerade zu Anfang diente SOPHIA besonders zur Verarbeitung des Verlustes des verstorbenen Bandmitgliedes und Freundes, die ersten Aufnahmen offenbarten den Charakter eines zwar äußerst traurigen und schleppend dahinschleichenden Nachfolgeprojektes. Gleichwohl vermochte der ehemalige THE GOD MACHINE Sänger, der zudem auch bei dieser Band für die gesamten Lyrics verantwortlich war, auch hierbei seine Songwriterqualitäten zur Schaffung von wunderschönen Songs umzusetzen - wie dem gemütszerspringenden Meisterwerk "so slow" in der hierbei zutage tretenden Todessehnsucht, in welchem Proper-Sheppard seine ganze Trauer um den Verlust zu stecken vermochte, oder dem der Bedeutlungslosigkeit der Liebe resignierend anerkennenden "is it any wonder".

Die sich schon in den letzten Tagen von THE GOD MACHINE angekündigte ruhigeren Töne setzten SOPHIA auch auf dem zweiten Album, "The Infinite Circle", fort, nachdem die Liveauftritte und das damit verbundene Feedback Robin Proper-Sheppard die Kraft geben konnte, den eingeschlagenen Weg trotz allem weiter fortzusetzen. Die auf dem zweiten Werk vertretenden Songs kommen noch eine Spur gewaltiger daher, sind aber gleichwohl nach wie vor ergreifend in ihrer schmerzerfüllten Schönheit, wie insbesondere bei "if only", dem überraschend treibendem "the river song" oder auch in dem sich fast schon gegen jede Bewegung wehrendem Opener "directionless".

Wie lang der Schatten von THE GOD MACHINE auch heute noch ist, wird deutlich, wenn man an einem der herausragenden Live-Auftritte von SOPHIA teilnimmt - stets weist Proper-Sheppard darauf hin, daß er die alten Songs nicht mehr spielen wird, meist noch vor dem ersten Rufer während der allerersten Minuten. Gleichwohl ist gerade in den Livekonzerten so etwas wie ein Nachhall der THE GOD MACHINE-Zeit zu spüren, wenn die Verzerrer nach und nach weiter aufgedreht werden und die SOPHIA-Songs zum Ende des Auftritts hin immer krachiger interpretiert werden - wie beispielsweise auf dem sehr gelungenen 2001er Live-Album "De Nachten" bei "the river song" nachzuhören ist.

Mit dem 2004-er Album "People are like seasons" zeigen SOPHIA - für Fans der alten Tage endlich - so etwas wie eine Rückbesinnung. Auf dem Album, übrigens eine absolute Empfehlung, sticht insbesondere der "desert song no. 2" heraus. Die Wahl des Titels - der erste "desert song" entstammte der EP "the desert song" und war auch auf dem THE GOD MACHINE -Debutalbum "scenes from the second storey" enthalten - ist übrigens weniger als Hommage an THE GOD MACHINE zu verstehen, sondern vielmehr ein Ausdruck der Abneigung Proper-Sheppards gegenüber der Wahl von Songtitel. "desert song no. 2" hat so auch keinerlei Ähnlichkeiten mit dem "desert song" von THE GOD MACHINE, es ist ein ungemein mitreißendes und vielschichtiges Lied voll zerbrechlicher wie auch zerbrechender Schönheit. Überraschend tanzbar ist der Opener "oh my love", was wie auch "holidays are nice" deutlich aufzeigt, daß die Tage der reinen Dunkelheit bei SOPHIA vorbei sind. Tiefschichtige und nachdenklich stimmende Perlen wie das bereits auf dem 2001er Live Album zu hörende "i left you" oder das ergreifende "swept back" stellen dabei aber eindeutig sicher, daß SOPHIA nach wie vor ein absolutes Ausnahmeprojekt darstellen. Ein Gang in den Plattenladen um die Ecke zum Reinhören kann ich nur an Herz legen...

Discographie
THE GOD MACHINE
The God Machine - Purity EP 1991
The God Machine - The Desert Song EP 1992
The God Machine - Ego EP 1993
The God Machine - Scenes from the second storey 1993
The God Machine - Home EP 1993
The God Machine - One last laugh in a place of dying 1994

SOPHIA
Sophia - Fixed Water 1996
Sophia - Are you happy now single 1997
Sophia / Swervedriver Split single 1997
Sophia - The Infinite Circle 1998
Sophia - De Nachten live 2001
Sophia - People are like seasons 2004

http://www.cityslang.com/bandseiten/sophia/sophia_frame.html

http://www.sophia-music.com/

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