THE LAST DAYS OF JESUS



THE LAST DAYS OF JESUS - Von der Wahrhaftigkeit alter Maschinen

Die Batcave/Deathrock Szene scheint zu einem großen Teil in reiner Rückschau zu verharren, während immer wieder neue Bands auf der anderen Seite zeigen, daß man auch heutzutage als Newcomer in diesem Metier Gutes abliefern kann. Es gibt jedoch noch eine weitere Kategorie, jene der reifen Bands, die in ihrem Output nicht nachlassen...

Daß neu jedoch nicht gleichbedeutend mit besser ist, zeigen THE LAST DAYS OF JESUS ein weiteres mal mit ihrem aktuellen Album "Dead Machines Revolution". Wohlausgereift und kein bißchen müde lassen die Slowaken hierauf ein Feuerwerk der Extraklasse mit 12 Liedern (nebst einem Intro) explodieren und beweisen auf die schönstmögliche Weise, daß Gutes mit der Zeit noch besser werden kann. Während die meisten Bands am Anfang ihrer Karriere ein oder zwei gute Alben herausbringen und anschließend nur noch an Qualität verlieren, gehören THE LAST DAYS OF JESUS zu den leider viel zu seltenen Vertretern jener besonderen Art von Band, die sich über die Jahre hinweg fortlaufend verbessert und sich mit jedem neuen Album erneut übertrumpft. "Dead Machines Revolution" ist eine Horrorgoth-Party par Exzellenz und Grund genug, die freundlichen Slowaken nach der Inspiration für ihr neustes Werk, über die Revolution toter Maschinen und ihr Schaffen im allgemeinen zu befragen...

THE LAST DAYS OF JESUS, trotz des Gründungsjahrganges 1993, präsentieren sich 2007 mit einem Stilmix irgendwo zwischen Batcave, Deathrock und Horrorpunk, also mit einem topaktuellem Sound. Wie wichtig sind die Einflüsse von diesen Stilrichtungen für euch?


Fey: Wir spielen Musik, die uns Spaß macht. Es ist uns eigentlich egal, ob sie Deathrock oder Horrorirgendwas heißen. Natürlich fühlen wir uns auch von Gothbands inspiriert, aber genauso inspirieren uns andere Sachen, Erlebnisse, Vorkommnisse oder ein gutes Bier.

Gerade letzteres kann ich nur zu gut nachvollziehen... Eure Aufnahmen sind voller Energie und klingen absolut modern. Wie wichtig sind Musiktrends für euch?

Vajco: Fuck off Trends. Wir haben eigene Ohren, die hören auf keine Trends. Musik ist wichtiger als Trends, auch wenn es viele Bands offensichtlich umgekehrt sehen.

Fey: Wir waren immer non-trendy, vielleicht deswegen spielen wir oft vor trendy Bands. :-) Umso schneller können wir uns aber blau saufen.

Songs wie "Sad Voices..." kommt Oldschool Batcave wie von den SEX GANG CHILDREN sehr nah, andere Lieder auf eurer neuen Platte wie "Zombie Haut-Couture" sind voller Horrorpunk Elemente. Wie findet ihr die Inspiration für derartig variierende Songarten?

Vajco: Ja, beides sind komplett unterschiedliche Songs. Zombie" ist eine Parodie auf die idiotischen Teenie-Gothbands, die glauben, man kann gute Musik so spielen, dass man sich das Gesicht mit Schminke vollschmiert und traurig dreinschaut. Der Text von Sad Voices..." ist eine persönliche Angelegenheit von mary0, unserem Sänger. Erst im Studio haben wir die Idee zu diesem Track entdeckt". Ich hätte nie gedacht, dass uns der Song so gut gelingen würde.

Fey: Vom Text her ist es ein Nachfolger des Alien Road Albums.

Als eine Band mit einer langen Geschichte hattet ihr die Gelegenheit, den Wechsel der Zeit innerhalb der Gothic Szene zu beobachten. Blicken wir doch mal zurück. Wie seht ihr eure Anfänge heute?

Vajco: Ich würde nie tauschen... Auch unser erstes Album finde ich bis heute gut.

Fey: Die Anfänge waren halt nicht einfach. Geldmangel, wenig Erfahrung und zu viele Träume... Und naiv waren wir eigentlich auch. Aber wir haben einen Haufen super Erinnerungen an diese Zeit. Und, ja, die Musik klang auch ganz gut. ;-)

Wie sehr habt ihr euch in euren eigenen Augen seitdem geändert?

Vajco: Ich bin über 30, sehe manchmal grüne Männchen, mein Rücken tut weh, aber die Band ist intakt und das tut gut. Wir verdienen kein Geld mit Musik, es ist unser Hobby und um so lockerer können wir unsere Musik spielen, scheißen auf Trends und Booms. Heute kann ich spielen was ich will - und das ist gut.

Fey: Die Band spielt immer besser, wir genießen jeden Liveauftritt. Früher habe ich immer jeden Artikel gelesen, wer was über uns geschrieben hat. Heute geht es mir am Arsch vorbei, Hauptsache wir und unser Publikum haben Spaß...

In eurem neuen Album "Dead Machines Revolution" arbeitet ihr mit der Thematik alter Maschinen und der Traurigkeit des Verfalls - wie in dem Song mit dem Deutschen Titel "Maschinenfriedhof". Wieviel Mensch steckt für euch im Inneren dieser Maschinen? Und warum habt ihr einen Deutschen Titel gewählt?

mary0: Der Titel fiel mir plötzlich ein und ich kann mir den Refrain in einer anderen Sprache gar nicht vorstellen. Es passt so, wie es ist...

Vajco: Neu heisst nicht immer gut. E-mails sind eine neue Art von Kommunikation, aber plötzlich schreiben sich Arbeitskollegen jeden Tag hundert E-mails, obwohl sie zwei Meter voneinander sitzen. Die Menschheit wir immer blöder. Alte rostige Maschinen waren echt und das sind heute viele Sachen nicht, von Menschen mal ganz geschwiegen.

Euer neues Album ist voller Songs, die sich bestens für die Tanzfläche eignen. Ist es euch wichtig, eure Zuhörer in Bewegung zu versetzen?

Fey: In unserem Alter mögen wir möglichst wenig Bewegung, aber es ist super wenn die Leute bei unseren Gigs Spaß haben.

Vajco: Es war nicht geplant. Die Songs sind so, wie wir sie mögen. Wenn man dazu auch das Tanzbein schwingen mag, dann ist es umso besser.

"Dead Machines Revolution" wird eure zweite Veröffentlichung bei Strobelight records, eure anderen Alben sind jeweils bei einem anderen Label herausgekommen- Warum bleibt ihr diesmal bei ein und demselben Label und was sind eure Erfahrungen mit den unterschiedlichen Vertragspartnern?

Vajco: Vorher hats halt nicht gut funktioniert. Darum sind wir bei Strobelight geblieben. Wenn du dann zum ersten Mal in Madrid live spielst und die Leute singen deine Texte, dann heißt das, dass dein Label gut gearbeitet hat.

Fey: Wir verstehen uns auch menschlich sehr gut...

THE LAST DAYS OF JESUS ist sehr eng mit der Slowakischen Gothic Szene in Bratislava verbunden. Mögt ihr unseren Lesern davon ein wenig erzählen und auch warum ihr euch dieser Szene so verbunden fühlt?

Fey: Wir sind zwar ein Bestandteil der Szene hier, aber so lebenswichtig sind wir auch wieder nicht. Die Parties und Events funktionieren, dank einer Gruppe von begeisterten Leuten, auch ohne uns sehr gut... Obwohl mary0 auch zu diesen Leuten gehört. Hauptsache es läuft! Die Jungs haben schon so viele gute Bands eingeladen, ich freue mich immer auf die nächste Party...

Was für Musik hört ihr selbst gern?

Vajco: Ramones & Co., The Damned, The Clash, Blondie, The Jam, Belinda Carlisle, GunsnRoses, Stray Cats... und Anjou hört Duran Duran.

Fey: The Clash, The Damned, LTNo, von neueren Bands höre ich gerne Deep Eynde oder Nim Vind, aber ich stehe auch auf Rolling Stones, Depeche Mode oder U2...

Offensichtlich mögt ihr sehr gerne auf Festivals spielen. Auf dem Wave Gotik Treffen beispielsweise habt ihr bereit fünf mal gespielt und auch dieses Jahr werdet ihr wieder in Leipzig auftreten. Sind Festivals für euch eine größere Herausforderung oder einfach nur verdammt viel Spaß?

Vajco: Da kannst du an einem Ort vor der ganzen Welt spielen...

Fey: ...ja, du musst nicht hin und her touren und trotzdem triffst du Leute aus aller Welt, trinkst ein Paar Bier mit guten Freunden und bekommst ein gutes Hotel. :-)

Was können die Besucher bei euren nächsten Konzerten von euch erwarten?

Fey: Rock and Roll... Und mary0 wird sicherlich wieder seine irre Show vorführen. Da weiß man nie, was auf einen zukommt...

Vajco: Ich hoffe, dass die Leute unter der Bühne bleiben und nicht zum Ausschank gehen. Dafür werden wir unser Bestes geben!

Nun, diese Hoffnung wird bei der Livepräsentation dieses Hammeralbums sicher ohne Probleme erfüllt werden. Vielleicht sollte man sich sein Getränk auch einfach rechtzeitig vorher sichern... Wer den Auftritt von THE LAST DAYS OF JESUS - aus welchem Grund auch immer - verpaßt, der tut mir jedenfalls jetzt schon leid. Ich freue mich jedenfalls sehr auf dieses Konzert und auch die weiteren Lebenszeichen dieser ausgezeichneten Band! Wahrhaftiges kann so schön klingen...

Kontakt: http://www.thelastdaysofjesus.sk/

zurück



...(c) www.kleinertod.de...