Begegnungen...

Eindrücke von nocturnen Treffen und Festivals



WGT-Eindrücke 2001


Angesichts der sich immer weiter nach vorne und hinten
verlagernden Veranstaltungen bin ich schon am
Donnerstag angereist und verbrachte den Abend mit ersten
Eindrücken vom Treffen und dem Besorgen der Eintrittserlaubnis.
Positiv fiel hierbei wie auch das ganze WGT über die insgesamt
gute Organisation auf, es gab weder am Donnerstag noch an den
Folgetagen bei der Bändchenausgabe nennenswerte Schlangen.
Dementsprechend entspannt und gutgelaunt schaute ich erwartungsfroh
trotz der trüben Wetteraussichten auf die kommenden Tage.

Da schon in der Nacht von Donnerstag auf Freitag erste Parties
lockten und der Freitag gleich mit mehreren Veranstaltungen
schon seit dem frühen Nachmittagsstunden aufwartete, war die
diesjährige Eröffnungszeremonie in den Agrahallen bereits
überholt, bevor sie auch nur begonnen hatte. Ich stürzte mich
daher gleich kopfüber in die schwarzen Pfingsttage und suchte
das Werk II auf, wo sich auch dieses Jahr irgendwie und irgendwann
all die Leute antreffen ließen, die man so das ganze Jahr
aufgrund der Entfernung nicht sehen konnte. Das erste Konzert,
welches meine Aufmerksamkeit von dem Begrüßungsritual
ablenken konnte, war das von SOPHIA, einer düsteren CMI-Formation,
die mit ihrem kalt-bombastischen Sound Erinnerungen an die
ruhigeren Passagen von THE MOON LAY HIDDEN BENEATH A CLOUD
aufkommen ließ. Die für die restlichen Tage untypische
Abendsonne ließ kurzzeitig Hoffnungen auf eine Besserung
der Wetterlage aufkommen und zog mich wieder nach draußen, von
wo mich selbst DEUTSCH NEPAL nur kurz wieder zurückholen konnte.
Den würdigen Abschluß des Tages bildeten ORDO ROSARIUS
EQUILIBRIO, die von Fackeln umringt mit ihren percussionreichen
Synthie-Folk die Halle füllten.



Der Samstag brachte dann den Regen zurück, was mich aber nicht
von einem Gang zur Parkbühne abhalten konnte, zu verheißungsvoll
war das Programm. Die große Überraschung des Tages waren IN MY ROSARY,
die ihren dahinplätschernden Sound früherer Tage durch den
Einsatz von mitreissenden programmierten Rythmen und eines
Saxophons sehr viel lebendiger gestalteten. Die sehr
gefühlvoll dargebotenen Songs reichten so vom Neo-Folk
verganger Tage bis hin zu einem schon CLAN OF XYMOX-artigen
Gitarrenwave und konnten das dem Regen trotzende Publikum entführen.
CAMERATA MEDIOLANENSE knüpften nahtlos mit einem intensiven
Konzert an. Die Mailänder Formation trommelte sowohl mitreißend
als auch von wohlklingenden Melodien und ergreifendem Gesang
unterstützt die letzten Gedanken an die feuchte Kälte hinfort.
Den Höhepunkt des Abends bildete jedoch der Headliner
dieser Veranstaltung, :OF THE WAND AND THE MOON:. Kim Larsen mit
seinen Begleitern bannte die Zuhörer derart, daß viele wie ich
den Plan aufgaben, vorzeitig zum LAIBACH-Konzert aufzubrechen.
Zur Belohnung verzauberte die schon magisch wirkende und
ungemein intensive Musik mit beruhigenden und gleichsam
aufwühlenden ryhtmischen Folkklängen. Die Begeisterung
der Hörerschar veranlaßte die von ihrem Erfolg sichtlich
überraschte Formation dazu, als Zugabe den zuletzt gespielten
Song erneut darzubieten, bevor sie endgültig den Samstag auf der
Parbühne beendeten. Als Abschluß für den Abend wählte ich
dann LONDON AFTER MIDNIGHT in den Agrahallen, die
allerdings nicht ihren besten Abend hatten.



Den Sonntag ließ ich ruhiger angehen, ein kleiner Abstecher
zum überfüllten Haus Auensee zur Aufwärmung, bevor es abends
zum Agragelände zurück ging. FRONT 242 spielten ein gutes Konzert,
der eigentliche Höhepunkt des ganzen Festivals kam jedoch
erst nach den letzten Klängen der Belgier sowie der längsten
Umbaupause des ganzen WGT - COIL. Das nach 16 Jahren erste
Konzert dieser außergewöhnlichen Klangpioniere auf deutschem
Boden ähnelte eher einem magischen Ritual als einem bloßen
Auftritt. Dem Mond gewidmet und mit Weihrauchschwaden eingeleitet
zauberten COIL einen dichten und irritierenden Soundteppich,
der durch verstörende Bilder auf der Großleinwand und
einem dem Wahnsinn schon sehr nahen Auftritt der schon
seit Anfang der 80er wirkenden Band unterstützt, das Publikum
zu fesseln wußte. Mit "Blood From The Air" war selbst ein Stück
aus ihrer "Horse Rotorvator"-Zeit für die älteren
Fans vertreten, ohne daß aber die neueren Songs weniger
mitreißend gewesen wären, was nicht zuletzt daran lag, daß sich
der Sänger, JOHN BALANCE, durch äußersten seelischen wie
körperlichen Einsatz verausgabte. Nach dem rituellen
Abschluß des Konzertes, von zwei einen Blumenstrauß gen Himmel
richtenden nackten Jünglingen begleitet, entschwanden die
Londoner in einem mehrminütigen Stroboskopgewitter und
hinterließen das in Ekstase verfallene Publikum ohne jede -
nach einem solchen Abschluß auch undenkbare - Zugabe. Wer
dieses Konzert versäumt hat, ist selber schuld.

Zum Ausklingen dieser nicht mehr steigerungsfähigen Eindrücke
bummelte ich den Montag über die Agrastände und die sogenannte
Fetischmesse im Werk II, die sich nur als eine nette
Fetischparty mit einer jedoch sehr ansprechenden "Spielwiese"
herausstellte. Trotz der großen Konkurrenz auf mehreren Bühnen
verbrachte ich wie viele traditionell das Ende des WGT auf der
Moritzbastei, wo sich auch in diesem Jahr sowohl in als
auch auf derselben ein wunderschöner Mittelaltermarkt eingefunden
hatte, und in dessen verzweigten Räumlichkeiten mit lauter
Musik feucht-fröhlich der Abschied gefeiert wurde. Alles in allem
das gelungeste Wave-Gotik-Treffen - bislang...



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