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Eindrücke vom Wave Gotik Treffen 2006

Das Wetter hat es mit der schwarzen Szene 2006 nicht sonderlich gut gemeint, trotz des späten Pfingsten Anfang Juni waren die Temperaturen nahezu unterirrdisch. Auch die Sonne hielt sich die meiste Zeit mehr als bedeckt, doch trotz derartiger Hindernisse erwartete die Besucher des diesjährigen WGT´s in Leipzig wieder einmal eine herrliche Zeit. Wie in jedem Jahr bestach der Treffengedanke an sich, die auf die ganze Stadt verteilten Konzerte haben so manche auch nur als Nebensache betrachtet - bis auf wenige Highlights, die es zu erleben galt. Und auf solche will ich mich im Nachfolgenden beschränken.

Freitag

LACRIMOSA
Wo kann man besser das Wave Gotik Treffen beginnen als auf dem AGRA Gelände? Der Headliner des ersten Abends war LACRIMOSA (wenn man einmal vom Mitternachtsspecial NITZER EBB absieht, deren Zuhörer mit dem Publikum der vorigen Konzerte kaum in Übereinstimmung zu bringen waren), die mit ihrem unbestreitbar sehr erfolgreichem Sound die Halle zu füllen wußten. Ganze 90 Minuten durften die vielen Fans von LACRIMOSA genießen, bis es zum schon erwähnten Austausch der schwarzgekleideten Besucher kam. Über Geschmack kann man schwerlich streiten, aber ein vielumjubelter Auftakt des WGT 2006 war damit erlebt.

Samstag

GÖTTERDÄMMERUNG, ALL GONE DEAD und BLOODY, DEAD AND SEXY
Einen wunderschönen GothRock-Abend konnte man am Samstag im Werk II erleben. Irgendwie kann ich im Nachhinein vor lauter Laune gar keine Band sonderlich hervorheben. Doch die Stimmung mit der guten Musik zu genießen, war wirklich erfüllend für den zweiten Tag des Wave Gotik Treffens 2006. Besonders gefielen die auffällig vielen Iros und Batcave-Leute, die das Werk II zu verschönern wußten.

Sonntag

ROSA CRUX
Eine der schönsten Aspekte der Wave Gotik Treffen stellt mit Sicherheit die ungeheure Bandbreite dar, die einem musikalisch hier geboten wird. Auch jener Musik, die anderswo zu Unrecht nur ein Nischendasein führt, wird dabei ein Platz eingeräumt - so insbesondere auch ruhigere Klänge, die auf anderen Festivals eher untergehen würden, und denen auf dem WGT mit Konzerthallen wie dem Schauspielhaus optimale Möglichkeiten geboten werden. Am Sonntag bedankten sich ROSA CRUX dafür auf ihre Weise im Schauspielhaus mit einem herausragenden Auftritt, der nicht nur für mich den Höhepunkt des ganzen Wave Gotik Treffens 2006 darstellte. Wie schon bei ihrem Montagskonzert auf dem WGT 1997 im Werk II erwiesen sich die „Clay Dancer“, jene mit Staub und Lehm um sich herumwirbelnden Gestalten, mit ihrem ausdrucksvollen Tanz als einer der visuellen Höhepunkte des Auftritts von ROSA CRUX. Aus allen drei über den Zeitraum vieler Jahre entstandenen Fulltime-Alben präsentierten die Franzosen ihre Variante eines extrem düsteren mittelalterlich inspirierten Sounds, der so einzigartig wie eindrucksvoll durch das prall gefüllte Schauspielhaus klang. Ob es das Spiel mit echten mannsgroßen Glocken, die Videodarbietungen der eigenen Kreationen wie den von Ratten in Laufrädern angetriebenen Violinen, die aus klassischen Konzerten sonst nur bekannten eng aufgereihten Hintergrundsänger mit ihren für ROSA CRUX typischen und damit sehr ungewöhnlichen vocalen Ausdrücken oder aber die sehr verinnerlichte und dennoch ausdrucksstarke Stimme des Sängers und Masterminds OLIVIER TARABO in Begleitung seiner dem Gothicsound zuzurechnenden E-Gitarre war - der gesamte Auftritt war so ungewöhnlich wie überwältigend. Nur wer früh genug sich draußen anstellte, konnte einen der begehrten Plätze im Inneren des Schauspielhauses ergattern und wurde dafür aber auch wirklich königlich belohnt. Hoffentlich muß man nicht wieder neun Jahre auf ein Wiedersehen mit dieser Ausnahmeformation beim WGT warten.

MOI DIX MOIS
Nach einer kurzen Umbaupause im Anschluß an das Konzert von DEINE LAKAIEN betraten die lautstark umjubelten MOI DIX MOIS aus Japan die Bühne der AGRA-Halle als Mitternachtsspezial am Sonntag. Die um das ehemalige Mitglied MANA der Band MALICE MIZER gruppierten Musiker präsentierten sich dabei wie gewohnt als ein perfektes Aushängeschild des Visual Kei - jener japanischen Bewegung von Musikern, die durch ihr extremes Styling aufzufallen verstehen und für die MANA derzeit als bekanntester und schillerndster Vertreter gilt. MOI DIX MOIS, das Selbstdarstellungsprojekt von MANA, wußte das sich im Vergleich zur Vorgruppe nahezu vollständig ausgetauschte und zahlenmäßig kleinere Konzertpublikum von der ersten Minute an mit ihrem optisch sehr beeindruckenden Auftritt zu überzeugen. Kaum einer der Besucher konnte sich der visuellen Überzeugungskraft von MOI DIX MOIS an diesem Abend entziehen, natürlich vor allem auch jene nicht, die extra für die Japaner auf das Wave Gotik Treffen gekommen sind. Während musikalisch ein mit starken Klassikmomenten durchsetzter Metal geboten wurde, der sich durch die japanischen Stimmen und auch durch die äußerst melodischen und poppigen Refrains von der westlichen Musik zu unterscheiden wußte, setzten MOI DIX MOIS stets die Optik in den Vordergrund und hier auch immer wieder MANA, der mit seinen hautengen Frauenkleidern, aufwendig hochgestylten Haaren, perfekter Schminke, extrem hohen Plateaustiefeln und sehr anmutigen Bewegungen von der Gitarre aus das Publikum fest im Griff hatte. Den Veranstaltern ist zu dem gelungenen Schachzug zu gratulieren, MOI DIX MOIS zum WGT einzuladen, denn Visual Kei ist optisch in jedem Fall als Bereicherung der sich ja eh ständig in Verwandlung befindlichen schwarzen Szene aufzufassen, wie auch immer man persönlich dazu stehen mag - darum bitte mehr von solchen Bands im nächsten Jahr!

Montag

THE OTHER
An dem am Montag im Werk II dieses Jahr auf einem AGT zum ersten mal ins Leben gerufenen und insgesamt sehr gelungenem Horrorpunkabend traten unter anderem auch THE OTHER auf, die man wohl hierzulande als die bekannteste europäische Horrorpunkband bezeichnen könnte und die mit ihrer Show einen der vielen Higlights an diesem Abend setzten. Wie man schon auf dem ganzen Wave Gotik Treffen und insbesondere an diesem Tag im Werk II bewundern konnte, wußte der Horrorpunkabend eine sehr schillernde Besucherschar anzulocken, Iros und andere entsprechend stilvoll-punkige Outfits sowie eine sehr ausgelassene und lustige Stimmung machten an diesem Abend das Werk II zu einer Partyhochburg der etwas anderen Art, wovon letztlich auch das WGT 2006 insgesamt profitierte und man deshalb nur auf eine Fortsetzung in den Folgejahren hoffen kann! Wenngleich zahlenmäßig noch Luft nach oben ist, so dürfte die gute Laune kaum zu übertreffen sein - wer diesen Abend verpaßt hat, sollte die WGT-Veranstalter um eine Fortsetzung des Horrorpunksabends jedenfalls beknieen... Nachdem Bands wie BLOODSUCKING ZOMBIES FROM OUTER SPACE, THE SPOOK und MIGUEL & THE LIVING DEAD das Publikum schon zum „Aaaah“ und „Ooooh“ mitgröhlen veranlassen konnten, war es Zeit für THE OTHER aus Deutschland. THE OTHER brachten mit ihrem bekanntesten Hit „Beware Of Ghouls“ und anderen Knallern aus ihrem Repertoire, auch von ihrem neuen, zweitem Album „You are who you eat“, die Halle noch mehr als sowieso schon zum Kochen. Die charismatische Stimme des Sängers und insbesondere der mit Augenbällen um sich werfende, in einem Chirurgenanzug gekleidete Drummer waren dabei die erwarteten stimmungsvollen Höhepunkte des sehr gelungenen Konzertes. Nach einer leider nur viel zu kurz eingeplanten guten Dreiviertelstunde gingen THE OTHER unter lautstarkem Applaus von der Bühne.

BLITZKID
Der Headliner des Horrorpunkabends am Montag im Werk II, BLITZKID, erwiesen sich als eine echte Liveband, die ihre Songs noch um ein vielfaches gelungener als auf ihren Alben präsentieren konnte. Ein grandioser Auftritt krönte den Abend und naturgemäß an diesem Tag auch das gesamte WGT, wobei sich die US-Amerikaner als (zumindest ein) echter Höhepunkt des ganzen Festivals erwiesen. Sehr kraftvoll und mit bis in die Haarspitzen pulsierendem musikalischen Verständnis ausgerüstet knallten BLITZKID ihre druckvolle Variante des dreckig-punkigen Rock´n Rolls den anwesenden Partygästen entgegen. Neben ausgezeichneten eigenen Liedern waren auch ausgesuchte Coversongs zu hören, selbst von der Vorband THE OTHER wurde der Sänger zum Begleiten und Mitsingen eines ihrer Lieder sowie eines Covers von THE OTHER mit auf die Bühne gebeten, was der allgemein guten Laune nur noch weiter Aufschub leistete. Echt Klasse, was die Amerikaner einem hier boten. Danke hierfür und für den klasse Horrorpunkabend insgesamt!


Besucherbilder vom WGT 2006 sind hier zu sehen...

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