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Bilder und Eindrücke vom Wave Gotik Treffen 2007

Das 16. Wave Gotik Treffen in Leipzig hat wieder einmal den herausragenden und einzigartigen Stellenwert des WGTs unterstrichen. Als internationaler Szenehöhepunkt war auch in diesem Jahr das Pfingstreffen Anzugspunkt für Schwarze jeglicher Schattierung aus den unterschiedlichsten Ländern und Kontinenten, von Nord- wie Südamerika, Asien oder aus Europa kamen alle möglichen Vertreter und Freunde jeglicher Stilrichtung aus dem schwarzen Bereich und verwandelten dies gesamte Stadt von Leipzig und insbesondere die verschiedenen Veranstaltungspunkte mit dem Schwerpunkt des AGRA-Geländes in eine schwarze Partyzone, einen positiven Aspekt der Globalisierung freudig zelebrierend.

Während im Vorjahr das Wetter den Klimawechselszenarien zum Trotz trotz des späten Junitermins sich von seiner kühlen, kaum noch frühlingshaft zu bezeichnenden Seite zeigte, knallte die Sonne fast durchweg die ganzen Treffentage vom Himmel, um dann wie zum Gegensatz gen Abend und in der Nacht wasserreiche Gewitterwolken aufziehen zu lassen, daß einen die vielen Zeltplatzbesucher auf dem AGRA-Gelände nur leid tun konnten.

WGT 2007

Allein am sonnigen Donnerstag, den immer mehr zum Eröffnungstag heranwachsenden Vortag des eigentlichen Wave Gotik Treffens, konnte sich das schwarze Volk trocken sowohl durch den Tag als auch durch die anschließende Nacht bewegen. In entspannter Atmosphäre nahmen die internationalen Besucher die frühen Möglichkeiten, an Karte, Bändchen oder sogar auch Pfingstboten zu gelangen, gerne und reichlich wahr, es bildeten sich überall lächelnde und voller Vorfreude strahlende Grüppchen, wiedervereint zumeist nach nahezu einjähriger Trennungszeit, da für viele der aus allen Himmelsrichtungen anreisenden Besucher das WGT mittlerweile zu der einzigen Gelegenheit eines Wiedersehens geworden ist, ob es nun daran liegt, daß man sich erst auf dem WGT kennengelernt hat oder aber daran, daß aufgrund von Umzügen eine andere Art der Zusammenkunft gar nicht zustande kommt. Es bleibt abzuwarten, ob wie in der Vergangenheit schon der einst als reiner Ankunftstag gehandhabte Freitag bald auch der Donnerstag zu einem echten Veranstaltungstag werden wird. Für viele Besucher ist der Donnerstag zumindest schon seit Jahren ein echter und wichtiger Tag des Wave Gotik Treffens geworden und die schon für Donnerstag organisierten und im Programm angekündigten Partys unterstreichen diese Entwicklung eindeutig.



Über die diesjährige Programmgestaltung am Freitag gab es schon im Vorfeld einige Verwunderung und die vorhandene Skeptik konnte durch den Verlauf des ersten Tages auch nicht ausgeräumt werden. Die für diesen Tag prädestinierte AGRA-Hallen mit Ausnahme des Mitternachtsspecials aus dem Veranstaltungsplan herauszunehmen, war definitiv ein Fehler, der einem guten Auftakt im Wege stand und die Besucher kopfschüttelnd dazu veranlaßte, sich alternativ selbst allein auf den Treffencharakter des Festivals zu konzentrieren. Wer trotzdem sich zu Konzerten aufmachte, wußte von langen Schlangen und ergebnislosem Anstehen zu berichten. Das für erst um 23:12 Uhr und nach Anbruch der Nacht vorgesehene große Spektakel um das Völkerschlachtdenkmal, wo IN THE NURSERY eine eigens hierfür entworfene Licht-, Laser- und Tondarstellung präsentierten, fiel dann auch noch buchstäblich durch das erste Gewitter dieser Tage reichlich ins Wasser, wofür die Veranstalter zwar nichts konnten, leider aber auch keine angemessene trockene Alternative anzubieten verstanden. Insgesamt mauserte sich der Freitag zu dem herausragenden Tag des alljährlichen Schaulaufens auf dem AGRA-Gelände, das Herumflanieren der in unterschiedlichster Art und Weise schön gestylter Besucher und die überall wahrnehmenbare Blitzlichtflut genießt im Zusammenspiel schon seit Jahren einen eigenen Stellenwert und wird allseits gerne gepflegt, ein Ausdruck der Liebe der schwarzen Szene zu kreativem Ausdruck, individuellem Styling und auch der formvollendeten Selbstdarstellung. Das Sehen und Gesehenwerden konnte wieder einmal sehr gut mit dem Rundgang über die alljährlich aufgebauten Messestände kombiniert werden, wobei die immer weiter zunehmende Qualität der aufgebauten Stände und des vorhandenen Angebotes angenehm aufzufallen wußte. Nachdem die Veranstalter in den Vorjahren aufgrund der sehr hohen Standgebühren gerne an den Pranger gestellt wurden, so kann man mittlerweile sagen, daß sie durch die Zusammenstellung eines hochwertigen und vielfältigen Angebotes eine derart gute Einkaufsmöglichkeit für die schwarze Seele geschaffen haben, daß man sich angesichts der angebotenen Waren Einkaufstouren anderswohin mittlerweile nahezu sparen könnte, sofern man bei den doch recht hohen Verpflegungspreisen auf dem Gelände noch ausreichend finanzielle Mittel übrig zu behalten vermochte. Warum bei den Gastronomieständen keine wesentliche Veränderung und auch Verbesserung mehr stattfindet, entzieht sich zwar meinem Verständnis, doch aufgrund des offenen Charakters des WGTs kann man sich ja auch nach wie vor gut außerhalb auf dem Weg zu oder in der Nähe der anderen Spielstätten eindecken und verköstigen.



Nachdem uns der Sonnabendmorgen wie gewohnt wie zu einem Vorspiel oder Einläuten des Treffentages auf das AGRA-Gelände führte, waren wir die nächsten Stunden nicht mehr dort zu sehen. Sehr voll gepackt präsentierte sich der Pfingstsamstag, so daß die Wahl schwer fiel, welcher Veranstaltung der Vorzug zu geben war. Die letztes Jahr alles überragenden ROSA CRUX hatten dabei für uns das Nachsehen, wir entschieden uns für das Sonderkonzert von PINK TURNS BLUE im Anker.



Die alte Deutsche Kultwaveband, welche nicht allein mit dem Jubiläumsball auf dem WGT 2006 aufzuzeigen vermochten, wie sie das Wave Gotik Treffen bereichern können, bewiesen mit einer einzigartigen und nur für das WGT 2007 entworfenen zweieinhalbstündigen Show mit einem mehrteiligen Livekonzert, welches von selbstvertonten und eigens entworfenen Video- und Bildcollagen, projeziert auf wie Leichentücher herabhängende Leinwandstoffbahnen, im Vor- wie Zwischenteil begleitet wurden, daß Ihr zu Recht vielumjubeltes Comeback hochberechtigt ist und ein Ende dieser Band sich glücklicherweise weder mit der Best Of-CD und den damit zusammenhängenden Re-Union-Konzerten, noch mit dem nach langer Schaffenspause ausgezeichnetem Album "Phönix", noch mit dem in diesen Tagen veröffentlichtem neuen Album "Ghost" abzeichnet. Im Gegenteil, PINK TURNS BLUE zeigen sich extrem lebendig, schaffensfroh und voller Tatendrang, ihre alten, traumhaften Kulthits werden durch die mittlerweile zwei neuen Alben mit vielen, tollen aktuellen Songs mit absolutem Hitcharakter angereichert und dementsprechend voller brodelnder guter Musik zeigten sich PINK TURNS BLUE auch auf dem WGT 2007 der zahlreichen Besucherschar. Auch wenn mit etwas Unverständnis auf die Pause nach dem ersten Teil des Konzertes, auf welchem hauptsächlich das neue Album "Ghost" ertönte, reagiert wurde, so blieben die meisten Besucher vor Ort und entspannten sich bei der klanglich und visuell sehr gelungenen Bild- und Videoprojektion, bis dann PINK TURNS BLUE im zweiten Teil ihre alten und neuen Hits zelebrierten und damit ein ungewöhnlich langes wie auch gelungenes Erlebnis den gekommenen Besuchern schenkten.



Unsere Fahrt führte danach weiter zum Werk II, wo THE LAST DAYS OF JESUS ein ungemein mitreißendes Konzert zusammen mit einer sehr feierlustigen Meute darboten, das äußerst gelungene aktuelle Album wurde gekonnt mit den älteren Stücken verbunden und die exaltierte Performance war einer der Höhepunkte des diesjährigen WGTs. Die Mischung aus Goth/Batcave und Horrorpunk schien allgemein eines der Themen des Werk II-Samstages 2007 zu sein, auch FRANKENSTEIN und 45 GRAVE verbreiteten gute Laune und rundeten die Partystimmung ab. Als Abschluß des konzertreichen Tages kamen wir dann doch wieder zurück zum AGRA-Gelände, wo sich VIVE LA FETE mit einem derart tanzwütig-krachend-melodiösen Konzert selbst übertroffen haben, daß trotz der Anstrengungen des Tages ein Stillstehen keine Minute möglich war, zu sehr gingen die mitreißenden Klänge in die Beine. Ein wunderschöner Tag fand so seinen krönenden Abschluß.



Den Sonntag verbrachten wir geruhsam mit einem Spaziergang über das AGRA-Gelände, den schwarzen Ständen in der AGRA-Messe und später dann einem Besuch des Cinestars, wo im Anschluß an die Lesung von CHRISTIAN VON ASTER der Film "Pans Labyrinth" uns in dem äußerst bequemen und angenehmen Großkino auf seine bizarr grausam-schöne Art zu einer entspannenden Ruhepause verhalf. Die Moritzbastei im Anschluß erwies sich wie in jedem Jahr als ein wunderschöner Ort mit einer zu Pfingsten unnachahmlicher Atmosphäre, in welcher wir diesen geruhsamen Tag ausklingen ließen.

Der Montag wiederum als letzter Tag hatte es wieder in sich, fast schon melancholisch der Abschied vom AGRA-Gelände am frühen Nachmittag in dem Bewußtsein, daß wir in diesem Jahr nicht mehr hierher kehren würden, um dann mit sehr viel Spaß und guter Laune den Horrorpunkabend im Werk II zu genießen, wo nach dem herauszuhebenden Auftritt von SHADOW RIECHENSTEIN die vorletzte Band THE DEEP EYNDE wie ein geheimer Headliner das Publikum zu begeistern wußte und am Ende mit ihrem alten Hit "Hoodoo" aus ihren eher noch zu Batcave zuzuordnenden Anfangszeiten abräumte. ZOMBINA & THE SKELETONS wirkten mit einigen nicht selbstverschuldeten Soundproblemen anfangs nicht wie gewohnt schmissig, rissen ihren Auftritt jedoch gekonnt aus einer drohenden Panne heraus und spielten mit viel guter Launem wenngleich auch einigen schiefen Tönen, was wiederum dem ureigenen ZOMBINA-Sound auch keinen Abbruch tat. Vielleicht nicht die beste Band der Welt, aber mit Sicherheit viel Spaß und einfach zum Liebhaben, so präsentierte sich die schon im letzten Jahr angekündigte und dann leider doch wieder zurückgenommene Band nun doch auf dem WGT, statt 2006 nun halt 2007, doch dafür mit einigen neuen Songs und somit vielleicht gerade zur rechten Zeit. Die prall gefüllte Moritzbastei war in diesem Jahr Anlaufpunkt für die letzten Stunden des Wave Gotik Treffens 2007, auf der Abschlußveranstaltung saßen wir sehr lange und erblickten in vielen Augen ebenfalls jenen glücklich wie traurigen Blick, der auch bei uns zu finden war, angesichts des anstehenden Abschieds von Leipzig für ein weiteres Jahr. Doch natürlich werden auch wir im nächsten Jahr wiederkommen, um dieses wunderschöne Wave Gotik Treffen wieder zu erleben... Bis dann!

WGT 2007 Bilder Eindrücke Wave Gotik Treffen 2007
Die ersten Fotos vom WGT 2007 sind von nun an hier zu sehen!
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