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Erneut rieb sich das Wesen den schmerzenden Kopf und blickte dann enttäuscht nach unten. Vor sich sah es den verräterischen Schatten, der den Übergang vom grauen Boden zur gleichfalls grauen Wand offenbarte. Resignierend setzte es sich hin und starrte das Grau vor sich an.

„Was ist mit Dir?“, ertönte plötzlich fragend eine warme Stimme.

Zu tief in Gedanken versunken, um sich über die fremde Stimme zu wundern, antwortete es: „Ich bin gefangen. Überall bin ich schon gewesen, doch nirgendwo ist ein Ausweg aus diesem Grau. Wie komme ich nur hier heraus?“

„Wie bist Du denn hier hereingekommen?“

„Ich weiß nicht. Ich war wohl schon immer hier.“ Das Wesen schüttelte den Kopf. „Wie kann es einen Weg nach draußen geben, wenn es keinen Weg hinein gibt?“

„Was meinst Du, wo Du hier bist und woraus Du entfliehen willst?“ fragte die Stimme.

Daraufhin schwieg das Wesen eine lange Zeit. Dann fing es an zu weinen.

„Was ist mit Dir?“, fragte die Stimme erneut.

„Was soll ich nur tun?“, jammerte das Wesen. „Ach, jetzt weine ich, dabei ändert auch das Weinen nichts. Ich werde mit dem Weinen aufhören, dann wird es besser sein.“

Es verging einige Zeit, bevor wieder die Stimme erklang: „Warum ist es hier so trist?“

Das Wesen schnaubte kurz und blickte angeekelt auf das Grau. „Darum will ich ja hier heraus!“

„Dir ist nicht zu helfen“, sprach die Stimme und entschwand.

Irgendwann trockneten die Tränen.

Das Wesen stand auf, um weiter einen Ausweg aus dem Grau zu suchen. Die Stimme hatte es längst wieder vergessen.

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