Der Mob und die Geisterfahrer – eine Nachbetrachtung zur JHV 2012 des #FCSP. #FCSPJHV

Wie zu erwarten war, fiel die Mitgliederversammlung des FCSP in diesem Jahr nicht gerade kurz aus. Zu kurz sind trotzdem etliche Dinge gekommen, die erschöpfend anzusprechen den Rahmen der Veranstaltung aber auch vollkommen gesprengt hätte. So war die JHV ein wichtiger Termin, der als ein Punkt in einem größeren Prozeß zu sehen ist – und da manche Sachen, die wichtig sind, angestoßen oder zumindest angedacht wurden, kann man diesbezüglich ein positives Fazit ziehen. Viele wichtige Anträge sind durchgekommen, einige zurückgezogen, weil das Ergebnis anderweitig von den Antragstellern als befriedigend erreicht angesehen wurde und nur ein Antrag wurde formell zurückgewiesen, obwohl diesem eigentlich faktisch durchaus entsprochen wurde. Was aber sehr nachdenklich stimmt, das sind ein paar Dinge, die noch deutlicher als auf der JHV oder allgemein bisher besprochen wurden – so ließ der Auftritt des Präsidiums in Bezug auf deren Rollenverständnis arg zu wünschen übrig und zeugte von einem erschreckend geringem Respekt gegenüber den Mitgliedern des Vereins.

Bereits bei der Ausgabe der Stimmkarte fiel ins Auge, daß weitere Blätter vorbereitet worden waren. Wie es später vom Versammlungsleiter hieß, sollten die Anträge, die persönlich auf der JHV anwesende Personen betreffen, durch schriftliche und damit auch geheime Wahl zur Abstimmung kommen. Diese schon im Vorfeld der Versammlung getroffene Entscheidung löste ersteinmal Verwunderung aus. Ob diese im Ermessen des Versammlungsleiter gewählte Gangart sinnvoll war, wurde im Zusammenhang mit der Erklärung, die wohl eine Vorsichtsmaßnahme zum Schutz für die durch den Antrag Betroffenen bedeutete, untereinander diskutiert – aber dann auch ohne ein Gegenwort hingenommen. Spannend dürfte die Vorgehensweise in Zukunft werden, wenn ein Antrag gestellt wird, der Anwesende persönlich betrifft, die nicht der Vereinsführung angehören oder damit verbunden sind – oder ob diese Bedenken dann keine Rolle spielen. Wie auch immer. Geschadet hat diese Vorgehensweise bis auf die dadurch entstandenen Kosten zumindest nicht.

Die Versammlung eröffnete unser Präsident mit der Bitte um Toleranz bei der JHV, was für einiges Augenrollen sorgte. Einerseits ist „Toleranz“ ein äußerst schwammiges Wort, welches nur zu oft von der Mehrheit GEGEN die Minderheit verwendet wird. Zudem bedeuten „tolerieren“ übersetzt nichts anderes als „erdulden“ oder „ertragen“ – Respekt wäre hier das mehrheitsfähigere Wort gewesen, denn erdulden bzw. ertragen müssen die Mitglieder das Präsidium das ganze Jahr über, wohingegen in der JHV ja darüberhinausgehend ein Mitspracherecht besteht. Da aber dann später neben „Toleranz“ auch „Respekt“ von ihm eingefordert wurde, sei das nur am Rande erwähnt. Daß er aber dazu überhaupt und vor einer ersten Wortmeldung oder einem Zwischenfall sich genötigt sah, dazu aufzufordern – und das auch noch mehrfach, auch ein „Zurückkehren“ zu diesen von ihm als FCSP-typisch und grundsätzlich erachtetenden Werten, das stimmte schon ein wenig bedenklich. Was erwartete er und das Präsidium an diesem Abend – eine Schlammschlacht? Es wäre sicherlich der bessere Weg gewesen, wenn er im Vorfeld die Wogen glättend davon gesprochen hätte, daß er sich sicher sei, daß wir uns an diesem Abend bei aller vorhandener Emotionalität vernünftig unterhalten werden und nicht ausfallend werden würden – so etwas in der Art. Also einen Vertrauensvorschuß zu gewähren und die Hand auszustrecken anstatt ein Mißtrauen zu formulieren verbunden mit einer Belehrung. Rhetorik war noch nie die Sache von Herrn Orth, aber trotzdem möchte ich diesen Punkt nicht unerwähnt lassen.

Es folgte eine lange, einschläfernde Rede, wie wir alle sie von unserem Präsidenten gewohnt sind. Hervorhebenswert hierbei, daß er davon sprach, daß das Ziel „weiterhin“ die Etablierung in den „Top 25“ sei – was ja letztlich eine Rückkehr bedeutet und eine Abkehr von den mit Kopfschütteln nach all den Abgängen verstandenen Hochschraubung der Ziele des Vereins. Auch daß – sicherlich in Bezug auf den Abwahlantrag gegen Herrn Stenger gemünzt – das Präsidium „sicherlich nicht alles richtig gemacht“ habe, aber in der Überzeugung handelte, alles für den Verein zu tun, klang nach einer Kursänderung. Denn vom einem Eingeständnis oder eine Einsicht im Vorfeld auf die Vorwürfe war wenig zu merken – hier wurde eine Chance vertan, die auf der JHV offensichtlich aber gerade noch rechtzeitig doch noch ergriffen wurde. Als er die Verdienste das Präsidiums lobte und aufzählte, fiel aber schon auf, daß sich hier mit einigen fremden Federn geschmückt wurde – die Auszeichnung der Jugendarbeit hatten andere, insbesondere auch die AFM mit ihrem Einsatz dort, sich verdient, die Mitwirkung der AG Stadionbau brachte das Präsidium zur Einsicht (das hätten sie nicht allein hinbekommen, aber sie haben immerhin in einigen Punkten auf diese Ratschläge gehört, was durchaus lobenswert ist) – und als dann als Verdienst für den verein die „klare“ Ablehnung des DFL Arbeitspapieres genannt wurde, brach lautstarkes Gelächter los, worauf er nachschob, daß er „wir als Verein“ gesagt, also nicht das Präsidium gemeint habe. Der einzige Punkt, den ich in seiner Rede für erwähnenswert im positiven Sinne halte, der mir auch neu war, daß ist die Aussage, daß das Präsidium sich gegen die Formulierung der Absage an „Gewalt“ gewendet hatte und weiterhin wenden will, da die Notwehr als Ausnahme dabei erhalten bleiben müsse – darauf hatte DSP in der Stellungnahme zum Arbeitspapier auch hingewiesen und es freut mich sehr, daß dieser wichtige Aspekt auch vom Präsidium gesehen wurde und weiterhin nicht vergessen wird.

Leider haute er gegen Ende seiner Rede noch ein unglaubliches und unerträgliches Statement zum Abwahlantrag raus. Daß er sich schützend vor ein Präsidiumsmitglied stellen wollte, das sei ihm ja vollkommen unbenommen und wäre niemals ein Punkt der Kritik gewesen. Was er aber dabei geäußert hatte, das war ein unglaublicher Hammer, der so einfach nicht vergessen werden darf. Den exakten Wortlaut habe ich nicht mitschreiben können, aber er nannte sinngemäß den Abwahlantrag nicht angemessen, eine unzulässige Kritik, der Abwahlantrag verbiete sich von selbst und verletze die erwähnten „obersten“ Gebote von Respekt und Toleranz. Das zerlege und übersetze ich jetzt mal: der von den Mitgliedern gemäß der Satzung gewählte Präsident hält einen satzungsgemäßen Antrag auf Abwahl eines Präsidiumsmitglied aus „höheren“ Erwägungen für unzulässig und spricht moralisch den Mitgliedern ein Recht auf Abwahl damit im übertragenen Sinne ab. Das offenbarte wenig demokratisches Verständnis – dem höchsten Organ des Vereins (der Mitgliederversammlung) bei der Wahrnehmung seiner satzungsmäßigen Rechte (Anträge, hier Abwahlantrag eines Präsidiumsmitgliedes) quasi ein Mißbrauch dieser Rechte vorzuwerfen, das überschreitet grundlegende Grenzen und hat mich einfach fassungslos gemacht.

Und eine Auseinandersetzung zu diesem Punkt, der auch bei mir notizmäßig auf den „ich geh gleich ans Mikro“-Zettel stand, ist nach wie vor nötig – zuerst wollte ich mir das für den eigentlichen Abwahlantrag aufheben, doch aus unterschiedlichen Gründen habe ich mich letztlich gegen eine Wortmeldung entschieden. Wir hatten schließlich sehr viele Punkte und die Diskussion nahm später einen Verlauf, bei dem ein Aufgreifen dieser Gedanken in meinen Augen wenig sinnvoll erschien. So wichtig eine JHV auch ist, sie kann nicht alles leisten. Dafür ist eine Nachbereitung wichtig – und die hat noch zu erfolgen, wo auch wir uns, sowohl mit Blogbeiträgen als auch beispielsweise direkten Schreiben ans Präsidium, beteiligen können.

Die Rede des Aufsichtsrates enthielt viele, äußerst bemerkenswerte Aspekte. Die Wiedereinführung eines Ständigen Ausschusses mit Fanvertretern, die nach dem Sicherheitsgipfel in Berlin vom AR für notwendig angesehen und angestrengt wurde, soll nun vierteljährlich erfolgen. Eine sehr positive Aussicht, gerade wenn eine Kommunikation auf Augenhöhe in diesem Gespräch erfolgen kann. Eine neue Kommunikationskultur mit einem von Fanseite außen wahrnehmbar als jederzeit ansprechbarer Fanvertreter in einem Ständigen Ausschuß halte ich für absolut notwendig. Die Fanszene braucht einen ständig einsetzbaren Fuß in der Tür zur Vereinsführung ohne Formalismus oder Geklüngel. Dies wäre auch dienlich, um ausufernde Kritik in Zukunft zu vermeiden – denn das Gefühl der Mitglieder von Ohnmacht bzgl.Erreichbarkeit (und Gehör) beim Präsidium führt zu immer deutlicheren Artikulationsversuchen außerhalb einer JHV.

Erwähnt wurde auch, daß die Bausünde des Clubheims umgestaltet werden soll und daß schon jetzt die Bierpreise außerhalb eines Spieltages abgesenkt werden konnten – es wäre schön, wenn das FCSP Clubheim wieder ein Ort werden würde, den aufzusuchen sich lohnen könnte.

Erstaunt nahmen wir zu Kenntnis, daß das Präsidium ein juristisch letztlich als Darlehen einzuordnende Vorauszahlung an Hellmich vornahm, ohne dies mit dem AR abzustimmen – obwohl es bei 5,5 Millionen um ein zustimmungspflichtiges Geschäft ging. Daß dieses nachträglich genehmigt wurde und auch im Vorfeld genehmigt worden wäre, macht diesen Punkt nicht wirklich besser. Das muß dringend anders werden.

Eine deutliche Kritik an der Vereinsführung wurde in Bezug auf den Bau der Gegengerade, der Stadionwache und dem Museum geäußert – hier wurde schon vor längere Zeit der Aufsichtsrat und die AG Stadionbau das Präsidium zum Undenken gefordert, es wurde hier viel zu spät reagiert – das aber immerhin.

Auch daß das Präsidium sich gegenüber dem AR nicht an Bastimmungen gehalten hat und der AR erst aus offiziellen Verlautbarungen oder unmittelbar vor einer wichtigen Entscheidung von einer zustimmungspflichtigen Entscheidung erfahren hatte, beispielsweise beim DFL Arbeitspapier, worauf aus Zeitgründen eine Wahrnehmung der satzungsgemäßen Aufgabe gar nicht mehr möglich war, dies muß in Zukunft geändert werden. Die darauf abzielenden Satzungsänderungsanträge konnten aber durch eine gemeinsame Linie zwischen AR und Präsidium kurz vor der JHV für den AR zufriedenstellend geklärt werden, so daß diese Anträge zurückgenommen wurden.

Am Ende sprach sich der AR trotz Kritik am Vorgehen des Präsidiums beim DFL Arbeitspapier – unter anderem wurde genannt, daß ein Handeln wie Union Berlin wünschenswert gewesen wäre, woraufhin es den lautesten und längsten Applaus des Abends gab – gegen den Abwahlantrag aus.

Aus dem Präsidium kam noch ein wichtiger Hinweis durch Herrn Woydt, der die Sicherstellung der externen Domwache und des Museums in der Gegengeraden in Frage stellte, auf einen „heißen Gang“ verwies. Neben den zusätzlichen Kosten sind noch rund 80 qm von der Domfläche notwendig – hier laufen Gespräche, aber noch ist nichts entschieden.

Der Amateurvorstand brachte sich mit dem Satz „Visionen muß man haben, sonst wird man Verwalter von Mißständen“ langsfristig in Erinnerung, aber auch mit der traurigen Bilanz der American Football Abteilung, die über ihre Verhältnisse gewirtschaftet hatte, höflich formuliert.

Der Bericht des AFM Vorstandes war von der AFM Versammlung weitgehend bekannt, am Ende kam aber nochmal eine deutliche Spitze in Richtung des Präsidiums, da dieses immer wieder auf Kritik dadurch reagiert, daß es den Stil der Kritik kritisiert und auf den Inhalt gar nicht eingeht. Auch habe sich das Präsidium wiederholt leider als beratungsresistent gezeigt. Besonders schön war der Vergleich mit dem Autofahrer, dem nur Geisterfahrer entgegenkommen – und der sich dann doch mal langsam fragen sollte, ob er nicht selber der Geisterfahrer sei…

Nach den Entlastungen, der Wahl des Ehrenrates – von den sechs Bewerbern nur fünf auswählen zu können war sehr hart, da alle sechs die Stimme verient hätten – und den Ehrungen kamen dann endlich die Anträge. Die Entfernung der Danksagungspflastersteine wurde in Abwesenheit der erkrankten Antragsstellering von der desorganisierten @diepauliane vorgetragen – die hinter ihr versammelte Persinengruppe sah dabei wie ein Haufen Bodyguards aus, vielleicht hat sich ja deswegen kaum einer getraut, gegen diesen Antrag zu stimmen… 😉 Das Ergebnis der schriftlichen Wahl fiel jedenfalls deutlich aus. Gute Sache.

Alles andere als gut wurde es bei der Auseinandersetzung um den Abwahlantrag gegen Herrn Stenger. Nun machten die Antragsteller gleich zu Beginn des Antrags klar, daß es ihnen weniger um eine tatsächliche Abwahl als solches, als vielmehr um eine Auseiandersetzung mit dem Präsidium anläßlich der Vorkommnisse rund um das DFL Arbeitspapier ging und traten die ganze Zeit über ruhig und ohne Polemik auf. Auch Herr Stenger, der zuvor noch vom Aufsichtsrat dahingehend in die Ecke gedrängt wurde, daß er sehr wohl Kenntnis von dem Arbeitspapier gahabt habe, da die Entwürfe zum größten Teil identisch waren und er den 1. Entwurf als unterschriftsreif bezeichnet hatte, was durchaus im Sinne der Begründung des Antrages zu verstehen war, reagierte zwar sehr aufgeregt, aber von der Wortwahl ruhig und ohne Unsachlichkeit. Gernot Stenger präsentierte auf der JHV letztlich genau das, was im Vorfeld gewünscht worden war – keine aggressive Flucht nach vorn, sondern ein Aufzeigen einer Einsicht in gewisse Fehler, wobei er nachvollziehbar die vorgeworfenen Lügen als Mißverständnis erklärte (darüber ein abschließendes Urteil zu treffen halte ich für irrelevant), aus seiner Sicht sicherlich stimmig und bei seinen sonstigen Worten auch für mich kein echtes Problem mehr.

Doch die zu diesem Zeitpunkt sehr entspannte Stimmung wurde mit der Wortmeldung von Herrn Spies von einem Moment auf den anderen gewaltig gestört. Von wegen „Toleranz und Respekt“. In einer unglaublich arroganten Art und Weise schmetterte er wutentbrannt Vorwürfe um Vorwürfe in das Mikrophon. Er regte sich darüber auf, daß das interne Protokoll, das an die Öffentlichkeit gelangte und den Vorwurf untermauerte, rechtswidrig veröffentlicht wurde und daß nicht auch noch andere Protokolle auf diesem Wege ans Licht gekommen sind, die das Präsidium und Herrn Stenger in besserem Licht dastehen gelassen hätten. Dann zitierte er immer wieder mit dem gleichen obigen Vorwurf ein Protokoll nach dem anderen – alle intern und zu diesem Zeitpunkt unbekannt. Alle schüttelten nur den Kopf und fragten sich, warum das Präsidium diese Informationen jetzt und nicht früher und vor allem auf diese Weise vorträgt. Aber Herr Spies überbot diese Darbietung noch, indem er sich über den Antrag aufregte und den diesen stellenden Mitgliedern letztlich (den genauen Wortlaut konnte ich in dem immer lauter werden Saal nicht verstehen) Machtmißbrauch vorwarf.

Absurder ging es es nicht. Ersteinmal muß man sich die Frage stellen, was für eine Macht die Mitglieder eines Vereins denn bitte außerhalb einer JHV haben sollen? Sie können sich dort mit Anträgen einbringen, das sagt die Satzung eindeutig aus – und ein satzungsgemäßer Abwahlantrag gegen ein gewähltes Präsidiumsmitglied kann niemals ein Machtmißbrauch sein – wohl aber ein solcher Vorwurf vom Präsidium gegenüber der Mitglieder. DAS war ein Machtmißbrauch und zwar ein besonders häßlicher. Die gewählten Organe eines Vereins haben dem höchsten Organ des Vereins, der Mitgliederversammlung, keine Anweisungen zu geben oder Vorwürfe zu machen, wie sich sich zu entscheiden haben oder welche Anträge sie stellen!

Hierbei vergriff sich Herr Spies nicht nur im Ton, sondern auch in der Sache gewaltig. Letzteres hatte ja auch schon Herr Orth getan. Der Auftritt des Präsidiums ließ in Bezug auf deren Rollenverständnis arg zu wünschen übrig und zeugte von einem erschreckend geringem Respekt gegenüber den Mitgliedern des Vereins.

Die Empörungen über diese Fehlgriffe waren laut und vielstimmig. Auf einige Punkte wurde aber lieber gar nicht erst eingegangen, wohl um die Veranstaltung nicht endgültig zu sprengen, auch da ja ein Konsens im Saal sich sonst ja abzuzeichnen schien. Aber die Spitze, daß den Mitgliedern vorgeworfen werde, daß sie nicht illegal an interne Papiere gelangt seien und diese veröffentlicht haben, mußte ebenso kommen wie der Hinweis vom AR, daß das eine besagte Papier ja gemeinsam lanciert wurde (wenn ich das richtig verstanden hatte), von einem rechtswidrigen veröffentlichen hier also keine Rede sein könne bei dem einen Protokoll. Die totale Verwunderung über die Informationspolitik ging weiter, der Ton gegenüber Herrn Stenger nach wie vor freundlich, Herr Spies sah sich aber immer mehr Kritik ausgesetzt – vielleicht ja sein eigentliches Anliegen, ein Ablenkungsmanöver.

Dann aber kam ein Mitglied ans Mikrophon, welches den Antragstellern vorwarf, daß sie zum Reden hätten anders vorgehen müssen und mit dem Antrag den „Mob“ losgelassen hätten – da kochte die Stimmung erneut über. Die Mitglieder des vereins, die anderer Meinung sind, als Mob auf einer JHV zu bezeichnen, das war schon ein starkes Stück. Und in jeder Richtung untragbar. Aber auch gegenüber den Fans, die keine Mitglieder sind, ein Vorwurf, der nicht hinzunehmen war und ist. Zumindest gegenüber den Mitgliedern kam kurze Zeit später von ihm eine Entschuldigung.

Wie von mir erhofft haben die Antragsteller den Antrag am Ende zurückgezogen, da das von ihnen gewünschte Ziel als erreicht angesehen wurde.

In der Sache hat der Antrag sicherlich viel Gutes bewirkt, denn es wurde miteinander gesprochen und das Bedürfnis nach mehr Kommunikation dringend deutlich gemacht. Andere Wege wären vielleicht besser gewesen, aber es kam ja eine Reaktion schon im Vorfeld, die zeigt, daß dieser Antrag nicht zum Schaden des Vereins war. Dieses Präsidium hat (wiederholt) gezeigt, daß es auf nachhaltigen Druck langsam und mitunter auch widerwillig doch den richtigen Kurs einschlägt – was nicht unbedingt eine positive Beurteilung einbringt, aber eben auch und noch lange keine vollkommen negative (in diesem Punkt, wohlgemerkt). Das mit dem „von denen da unten“ eingeforderten Respekt sowie Toleranz „gegenüber denen da oben“ MUSS einfach Konsequenzen in Form von Reaktionen haben – vor allem, wenn es umgekehrt nicht für angebracht gehalten wird. Und auch, wenn dadurch eine Art Schutzwand der Unangreifbarkeit „der da oben“ aufgebaut werden soll, wie auf der JHV zu bemerken.

Eine intensive Auseinandersetzung über dieses als Randthema deutlich zutage getretenes Problem hätte die restliche JHV mit all ihren Anträgen scheitern lassen . Ob es letztlich nicht doch sinnvoll gewesen wäre, diesen Weg zu gehen, könnte im Nachhinein und schon jetzt von anderen auch anders bewertet werden – aber angesichts der Umstände habe ich den Weg, dieses Thema auf später zu verschieben und nicht auf der JHV auszudiskutieren, für den besseren erachtet und dies ist auch jetzt noch meine Meinung.

Alle anderen Anträge gingen durch, auch die Eilanträge, nur formal einer nicht, wobei dem Informationsverlangen auf der JHV aber bereits vor der Abstimmung Rechnung getragen wurde. Viele positive und wichtige Anträge haben die JHV also verlassen und wurden dem Präsidium mit auf den Weg gegeben. Sehr schön. Aber auch unter dem Strich ist leider nicht alles gut.

Neben der Kommunikationskultur muß man sich aber auch über die Streitkultur bei unserem Verein sorgen machen. Dabei sind die bzw. einige der Tapeten, die im Stadion vor der JHV gezeigt wurden, allerdings nur ein Aspekt – wohl aber derjenige, der vom Verein selbst auf der offiziellen Vereinsseite benannt wurde: http://www.fcstpauli.com/home/verein/news/1451 – als Nebensatz im Rahmen einer nur zur Hälfte gelungenen Antwort auf die Fehldeutung einiger Blätter, die „den Ultras“ bei uns „Bedrohung“ und ähnliches vorwarfen – weder war das hier USP noch war die Tapete eine Bedrohung oder als solche gedacht – sehr gut zusammengefaßt findet man alles auf http://www.bildblog.de/44172/denkt-wieder-niemand-an-die-kinder/. Daß die Vereinsführung über die offizielle Seite gleichwohl die Fanszene mit ihren Stellungnahmen im Stadion per Tapete kritisiert, was auch auf der JHV deutlich zu hören war, sollte man unbedingt im Auge behalten. Gerade im Anbetracht der Tatsache, daß die Fanszene – also auch die Mitglieder – im Gegensatz zum Präsidium wenig Möglichkeiten außerhalb einer JHV hat, die eigene Meinung öffentlich zu äußern. Das Schlimmste wäre, wenn nun der Versuch unternommen würde, jegliche Kritik am Präsidium in Zukunft über den Weg einer “Selbstreinigung der Fanszene” zu unterdrücken. Ein gewisses Problem mit der Meinungsfreiheit bei Fantransparenten (“Bullenschweine” -> keine strafrechtliche Beleidigung, aber Strafe für eine “Beleidigung” vom DFB sofort akzeptiert) ist ja schon zutage getreten. Hier müssen wir wachsam bleiben.

Interessant wird in dem Zusammenhang, daß sich das Präsidium selber auf der JHV alles andere als zurückhaltend gezeigt hatte. Auf der Flimmerkiste findet man eine Zusammenfassung von Interviews nach der JHV, darin kritisiert Stenger die in letzter Zeit erfolgten und als Angriffe gegen seine Person bezeichneten Äußerungen als unsachlich und sieht sich hierin durch die Stellungnahmen aus dem Präsidium und des AR unterstützt, woraufhin direkt im Anschluß Orth formuliert, daß manches in dem Moment sehr hart herüberkomme, jeder halt sehr aufgeregt sei und sich schnell angegriffen fühle, es aber zur FCSP Kultur dazugehöre, sich hart und deutlich miteinander auseinanderzusetzen. Spannend wird diese Gegenüberstellung, da einerseits eine Kritik an der Kritik der Fanszene erfolgt und andererseits es den Anschein hat, als ob nicht die vielleicht überharte Kritik der Fanszene „St.Pauli-like“ ist, wohl aber die überharte Reaktion des Präsidiums. Sollte es so gemeint sein, dann wäre das, sagen wir mal vorsichtig, eine mehr als seltsame Sichtweise – als ob „denen da oben“ Dinge erlaubt seien in einer Auseinandersetzung, die „denen da unten“ nicht gestattet seien – alles natürlich nach Meinung „der da oben“. Eine Entschuldigung wurde hier sowohl auf der JHV als auch danach öffentlich vermieden – hier hatte der „Mob“-Bezeichner auf der JHV wenigstens die Größe, dieses zu tun. Wenn man dann aber nach wie vor die Kritik einzig und allein an die Fanszene richtet, dann halte ich das weder für souverän, noch für akzeptabel. Gewählte Vertreter müssen sich weitaus härtere Kritik gefallen lassen als die Wähler – man stelle sich nur mal vor, ein Politiker würde seine Wähler so verunglimpfen und angreifen, wie es auf der JHV durch das Präsidium geschah – oder Kritik der Wähler in Form eines persönlichen Angriffs öffentlich anprangern – ich glaube kaum, daß dies gut ankommen würde. Und außerdem – entweder steht man dazu, daß man sich auch mal hart die Meinung sagt, um dann zu einem Ergebnis im Sinne des Vereins gemeinsam zu kommen – und dann akzeptiert man auch derartiges von der „anderen Seite“ – oder aber man beruft sich bei „Ausfällen“ aus der „eigenen Reihe“ nicht darauf. Das paßt einfach nicht zusammen.

Lesenswertes zur JHV 2012 des FCSP gibt es hier: http://metalust.wordpress.com/2012/11/27/der-fc-st-pauli-die-my-fair-lady-unter-den-fussballvereinen-ein-grundkurs-in-demokratie-und-wieso-herr-orth-mal-aretha-franklin-horen-sollte/ (!), http://www.curi0us.net/blog/2012/11/27/jhvfcsp-2012-2/, http://moeliw.tumblr.com/post/36664747443/spiesrutenlauf, http://www.taz.de/!106304/, http://beebleblox.blogspot.de/2012/11/streichholzer-erleichtern-das-leben-fcsp.html und http://www.stefangroenveld.de/2012/praesidium-sucht-durchblick/ mit einem schönen Bild.

Und am Ende noch zur mehr als englischen Woche (nicht nur drei Spiele in sieben Tagen, auch noch die JHV war ja dabei!) was Interessantes: zum heutigen Spiel gegen Braunschweig ist noch nachzutragen, daß sich USP am 13:12, äh, 12:12 Protest nur indirekt beteiligen wird: http://usp.stpaulifans.de/2012/11/1212-in-braunschweig/. So oder so – laßt uns gerne dort Punkte holen. FORZA SANKT PAULI!

P.S.: Es hat etwas länger gedauert, aber dafür ist das Ergebnis – auch gerade aus längerer Sicht – lohnend: der umfassende Bericht über die JHV vom Magischen FC Blog http://www.magischerfc.de/wordpress/?p=6766 – der Vollständigkeit halber hier noch angehängt.