Ein kleiner Schritt ins große Unbekannte. #FCSP Zweitligaauftakt 2026/2027 gegen Fürth mit einer Punkteteilung

Der erste Spieltag in einer Saison ist immer etwas Aufregendes. Die neue Spielzeit ist einfach das große Unbekannte und wir haben den ersten Schritt hinein gemacht. Mit einem Unentschieden daheim als Absteiger aus der 1. Liga gegen einen Verein, der mit der Relegation erst den Klassenerhalt in Liga 2 schaffen konnte, mag dies nicht als erfolgreich angesehen werden, aber schaut mensch etwas näher hin, relativiert sich das schnell. Der Unterschied zwischen Vereinen am unteren Ende der Erstligaskala und der ganzen 2. Liga sind einfach geringer als der zwischen der Mitte und der unteren Bereich in Liga 1. Es ist ja gerade diese Ausgeglichenheit in der 2. Bundesliga, die uns doch da oben so gefehlt hat. Sowohl bei uns als auch bei anderen Vereinen ist vieles neu und die Spannung, was sich dann daraus entwickeln mag, auf angenehme Weise hoch. Alles ist möglich.

Neu sind bei uns im Stadion, siehe auch https://www.fcstpauli.com/news/neuerungen-am-millerntor-zur-saison-2627, erst einmal Kleinigkeiten, die doch auffallen. Wie die neuen Beschriftungen in der Gegengeraden oder die Ausweitung der Kartenzahlung. Mehr FLINTA*-Schlangen sind einerseits eine gute Sache, aber hier dürfte wohl noch sehr viel Zeit vergehen, bis auch nur der Großteil der Fans verstanden haben mag, daß das Wort FLINTA nicht einfach ein Synonym für „Frau“ bedeutet. Es sind viele kleine Schritte bei Veränderungen, die alle Zeit benötigen. Und das ist auch in sportlicher Hinsicht bei uns aktuell so.

Auf den ersten Blick mag bei fünf Neuzugängen (darunter ganz kurzfristig Gísli Thórdarson aus Island – willkommen an dieser Stelle, leider gleich mit einer Verletzung ausgefallen, bei der einfach mal die Daumen gedrückt sind, daß es nichts Ernstes ist) sowie zwei nach Leihe zurückgekehrten Spielern und einem aus der Jugend hochgezogenen Talent bei aktuell 28 Spielern im Kader die Veränderung nicht allzu hoch sein, doch wir haben mit dem Angang von sechs Stammkräften und dem Trainerwechsel quasi die halbe Mannschaft auf dem Platz und die lenkende Kraft an der Seitenlinie getauscht, was dann doch die Intensität des Wandels besser zum Ausdruck bringt.

Wie sich die Neuausrichtung auf dem Platz beweist, hat dieses erste Pflichtspiel schon einmal zeigen können. Im Tor hat sich Ben Voll in mehreren Situationen auszeichnen können – ein sicherer Rückhalt auf der Linie bringt der ganzen Mannschaft Stabilität und auch sein Abschläge und Abwürfe sind positiv hervorzuheben, wenngleich sein Paßspiel in bedrängter Lage noch nicht mit der Klasse seines Vorgängers mithalten kann. Die neue Dreier-IV-Abwehrkette mit Nemeth als Kapitän, Mathisen und Ando lief noch nicht immer so rund, wie es nötig sein wird, machte aber insgesamt einen guten Eindruck. Die Außenverteidigung mit Pyrka und Oppie war überall auf dem Platz zu finden und machte Lust auf mehr.

Noch nicht ganz im Spiel wirkte das defensive Mittelfeld. Fujita und Rasmussen haben mir im Aufbau zwar gut gefallen, aber wie oft die Fürther ihre Angriffe bei uns durch die Mitte vortragen konnten, sollte definitiv noch intern besprochen und verbessert werden. Ich will jetzt nicht sagen, daß es unbedingt an diesen beiden Spielern lag, daß sich dort immer mal wieder eine Lücke auftat. Gerade der Ausgleich war so gerade durch die Mitte nach vorn kombiniert, daß klar wurde, daß es allen defensiven Mannschaftsteilen hier lag. Auf den Außen hingegen wirkten wir defensiv klar stabiler.

Offensiv machte es weitgehend Spaß, Hrogta, Kaars und Hara zuzuschauen, um mal nur die Startelf vollständig namentlich zu nennen. Diverse Pässe gingen ins Leere, was eine noch fehlende Abstimmung, die sich mit weiteren Spielen legen kann, offenlegte. Andere kamen an und wir konnten die eine oder andere gefährliche Torchance daraus generieren. Zu oft ließ sich Hara ins Abseits locken, auch wenn er sonst einen guten und vielversprechenden Auftritt zeigte. Kaars wirkte bei seiner offensiven Situation, als er direkt aufs Tor mit dem Ball laufen konnte, wenngleich zwei Verteidiger nah an ihm dran waren, vielleicht wegen der Begleitung ungewohnt langsam und sein Abschluß war eher harmlos – doch das könnte auch an der Erschöpfung in der extremen Hitze und Sonne gelegen haben. Hrogta schaffte es immer wieder, sich offensiv in Szene zu setzen und ist definitiv eine Bereicherung.

Als Bereicherung habe ich übrigens auch die neuen Lautsprecher empfunden, der Sound war von meinem Platz aus um Welten besser als die Jahre zuvor. Da ich aber auch andere Stimmen wahrgenommen habe, die aus anderer Position ganz andere Erfahrungen berichtet haben, würde ich soundtechnisch hier erstmal ein Fragezeichen stehen lassen. Eine Beschallung sollte ja möglichst überall gleichgut sein, auch wenn das immer eine Herausforderung darstellt.

Dankbar war ich aber vor allem für das schon lange Jahre bestehende Dach über der Gegengeraden, welches für mich Schatten in dieser extremen Hitze bedeutete. Gerade bei intensiven Sonnenstrahlen ist mit mir schon nach kurzer Zeit wenig anzufangen. Viele Fans im Stadion hatten da nicht so viel Glück und haben die volle Bestrahlung und damit auch noch mehr Hitze als im Schatten abbekommen, wo sich die über 30 Grad schon nach nach weitaus mehr anfühlten. Wie extrem es an diesem Tag auf den Platz für die Spieler gewesen sein mag, kann ich hier nur erahnen. Die Trinkpausen waren definitiv nötig.

Beste Tapete, die mir in der Halbzeitpause auffiel, nachdem ich mir den dringend benötigten Getränkenachschub besorgt hatte. Sowohl das 0-0 zur Pause als auch das 1-1 nach Abpfiff war unter dem Strich gerecht. Das ausgerechnet ein IV, Mathisen, nach einer Ecke von Hrogta fast direkt nach Wiederanpfiff den Führungstreffer erzielte, war nach den offensiven Torchancen eher überraschend, aber so unbedrängt wie er in dieser Situation waren unsere Angreifer die ganze Spielzeit über nicht. An defensiver Intensität könnten wir uns sicherlich was von den Gästen dieses Spieltages für die weitere Saison was abgucken.

Inwieweit die Qualitäten eines spät eingewechselten Eric Smith uns weiterhelfen werden, sei hier einmal dahingestellt. Nicht, daß ihm dies nicht zuzutrauen wäre. Seine Abwanderungsgedanken und seine bei der MoPo nachzulesende Anmerkung in einem Interview nach dem Spiel, sein Bestes sei ja offensichtlich nicht gut genug, sonst hätte ihn der Trainer mehr spielen lassen (sinngemäß zusammengefaßt), zeigt schon deutlich Unzufriedenheit auf. Aber von einem Spieler dieser Klasse wäre es auch sehr befremdlich, wenn er einen Bankplatz so ohne weiteres akzeptieren würde. Nur kam er wegen seiner WM-Teilnahme mit Urlaub verspätet zur Mannschaft dazu und soll erstmal langsam herangeführt werden. Die Konkurrenz ist hier, sehr positiv, aktuell wirklich groß bei uns. Aber auch die mögliche Veränderung durch etwaige Transfers. Die Baustelle Mittelfeld könnte uns also auch noch über die Transferperiode hinaus beschäftigen, wenn bei einem etwaigen Wechsel sich das team hier wieder neu finden müßte.

Unter dem Strich haben wir zwei Mannschaften heute gesehen, die auf Augenhöhe gespielt haben. Wie es in den anstehenden Spielen sein wird, werden wir naturgemäß dann sehen. Weder wirken wir nach dem Abstieg verunsichert oder geschwächt, noch sind haben wir aus der höheren Liga kommend automatisch mehr Qualität auf dem Platz als alle anderen. Wenn überhaupt ragt weiterhin Fujita spielerisch hinaus, was er gerade in der ersten Hälfte zeigen konnte. Doch es sind gerade diese Qualitäten, die ihn bei aufkommender Kritik sehr schnell zur ersten Zielscheibe machen. Einen längeren Verbleib von ihm bei uns würde ich mir schon wünschen. Daß wir gleich drei Japaner in der Startelf an diesem Tag erleben durften, war ein Novum, welches ich aber durchaus gerne öfter sehen würde.

Gern gesehen hätten bei uns sicherlich einen Elfmeter in der Schlußphase, als kurz vor der 90. Minute Jones im Strafraum von Heuer mit einem Zusammenstoß der Köpfe zu Fall gebracht wurde. Da Jones zuerst am Ball war, hätte dies durchaus als Foul ausgelegt werden können, der Schiedsrichter hatte sich aber schnell auf einen „Unfall“ festgelegt – was er bei einem Zusammenstoß mit anderen Körperteilen wie Beinen oder anderem womöglich nicht getan hätte. Nun, es gab keinen Pfiff für uns.

Was ich aber viel schlimmer fand, das war die Anwendung der neuen Regel, daß der auf dem Feld behandelte Spieler nach Abschluß der Behandlung mindestens eine Minute zur Strafe draußen warten mußte, bevor er wieder hinein durfte. Hier hätten wir in Unterzahl durchaus den entscheidenden Gegentreffer hinnehmen können – wäre es so gekommen, dann wäre die mögliche Elfmetersituation noch krasser bewertet worden. Eine Regeländerung, die ich vollkommen ablehne und auch für sehr gefährlich halte, könnte es doch zu grenzwertigen Fouls einladen, um durch die dann folgende Behandlungsunterzahl das Spiel zugunsten der foulenden Seite beeinflussen zu können, während auf der anderen Seite nur das Risiko einer Karte, bei Gelb halt ohne Unterzahl, steht.

Nach dem Spiel war der Flüssigkeitsnachschub sehr wichtig. Und da es nach wie vor sehr viele Fragezeichen ob eines möglichen Verbleibs des Shamrock gibt, zog es uns dorthin. Da gab es nicht nur Schatten, sondern auch ein kühles und feines Guinness. Auf St. Pauli!

Mehr zum Spiel:
https://millernton.de/2026/08/10/fc-st-pauli-spvgg-greuther-fuerth-11-zum-remis-verschmolzen/
https://rilrec.de/berichterstattung/260809
https://beebleblox.blogspot.com/2026/08/gewohnungsbedurftig.html
https://stefangroenveld.de/2026/nur-voll-gut/