#FCSP Kaderbetrachtung drei Wochen vor dem Ligastart

Am 9.8. startet unser FCSP daheim gegen die SpVgg Greuther Fürth in die Zweitliga-Saison 2026/2027. An der Seitenlinie haben wir mit Marcel Rapp den Nachfolger von Blessin gefunden und die Auftritte gegen unterklassige Testspielgegner haben gezeigt, daß dies frischen Wind in unser Spiel gebracht hat. Ein paar neue Spieler sind gekommen und einige Abgänge haben sich wie erwartet vollzogen, ein paar weitere dürften noch anstehen, doch es ist an der Zeit, sich den vorhandenen Kader und die sich aufdrängende Spielweise einmal näher anzugucken.

Schon jetzt ist klar, daß wir in der neuen Spielzeit mehr Tore von unseren Boys In Brown erwarten dürfen. Aber eigentlich würden wir unter jedem Trainer in der 2. Bundeliga offensiver auftreten müssen als als totaler Underdog in der 1. Bundesliga die beiden Jahre zuvor, wie schon hier ausgeführt: https://kleinertod.de/es-hat-nicht-gereicht-der-fcsp-ist-zurueck-in-liga-2-wie-sieht-ein-neuanfang-aus.

Der schon länger feststehende Neuzugang Sam Klein hat in den Testspielen seine Qualität zwar erahnen lassen, die Testkicks haben meines Erachtens aber auch genauso seine Unerfahrenheit zum Vorschein gebracht. Er ging doch etwas übermütig in manche Zweikämpfe und hat dadurch provozierte Fouls fabriziert. Das wird gegen erfahrene Zweitligaspieler noch deutlicher werden und es braucht sicher noch einige Zeit, bis er da in der Liga angekommen ist – was natürlich verständlich ist.

Keinerlei Eingewöhnungszeit in die Liga wird unser Toptransfer Branimir Hrgota benötigen – lediglich in das neue team wird er sich eingewöhnen müssen, spielte er doch lange Jahre für unseren Auftaktgegner in Liga 2. Seine Torgefahr und Positionierung hinter den Spitzen im Mittelfeld läßt Erinnerungen an Marcel Hartel aufkommen, der seit seinem Weggang vor zwei Jahren eine Lücke hinterlassen hatte, die Sinani nicht wirklich füllen konnte. Hier dürfen wir sehr gespannt sein auf das, was er unserer Mannschaft trotz seines fortgeschrittenen Alters von 33 Jahren bringen wird.

Womöglich werden wir diese Aufstellung zu sehen bekommen:

Im Tor haben wir mit Ben Voll den erwarteten Stammkeeper, doch die Auftritte von Simon Spari haben gezeigt, daß wir hier eine weitere ausgezeichnete Alternative auf der Linie haben. Ein dritter Torwart wird sicherlich noch kommen, doch sehe ich keinen Grund, hierfür tiefer in die Tasche zu greifen mit diesen zwei guten Torhütern. Da sind wir wie erwartet richtig gut aufgestellt, auch wenn wir auf dieser Position in der Marktwerttabelle der Liga ganz weit unten rangieren. Eben weil die Einsatzzeiten unserer keeper auf höherer Ebene bislang so gering waren – hier gehe ich davon aus, daß sich das bald entsprechend ändern wird in beiden Punkten.

Der Aderlaß in der Innenverteidigung war schon gewaltig. Karol Mets und Hauke Wahl sind gegangen, bei Eric Smith wird damit gerechnet. Dafür haben wir mit Marcus Mathisen einen erfahrenen und begehrten IV verpflichten können, der seine Stärke in den bisherigen Testspielen schon aufzeigen konnte und David Nemeth ist nach langer Verletzungszeit wieder voll dabei, was wie ein weiterer Neuzugang wirkt. Da alles danach aussieht, daß Tomoya Ando bei uns bleiben wird, haben wir drei sehr starke IV, so daß uns wir uns hier erst einmal keine unmittelbaren Sorgen machen müssen. In der zweiten Reihe sieht es hingegen etwas dünn aus. Neben Dzwigala wäre nur noch Robatsch neben Smith im Kader. Ausfälle darf es da nicht geben.

Im Mittelfeld haben wir mit Fujita, Smith, Irvine und Metcalfe, den ich mal hier mit einordne, gleich vier Kandidaten für einen bevorstehenden Wechsel noch in der Sommerpause. Für diese Position hätten wir noch Ahlstrand und Schmidt im Kader, doch mit Klein und Schmitz wären dann gleich drei junge und eher unerfahrene Spieler für die 2. Liga vorhanden. Lediglich Rasmussen wäre der einzig erfahrene Spieler auf eine der beiden Mittelfeldpositionen.

Außerdem hätten wir in der Innenverteidigung bei einem Abgang von Smith eine weitere offene Stelle, zumindest, wenn jede Position doppelt besetzt gedacht werden würde. Allerdings wäre bei einem Genesungs-Comeback von Lage als weiterer Innenverteidiger-Ersatz Ritzka eine Möglichkeit, während Lage zumindest eine äußerst offensive Variante auf der linken Position spielen könnte. Womöglich würde er aber eher in den Sturm oder in die Position hinter den Spitzen einzureihen sein.

Sinnvoll wäre daher wohl noch ein erfahrener Spieler, der zumindest im defensiven Mittelfeld aber eben gern auch in der IV spielen könnte – sollten alle die genannten Spieler auch tatsächlich wechseln. Verbleibt auch nur einer der vier Genannten, dann könnte dieser diese Kaderposition einnehmen.

Im Sturm sind wir sehr gut aufgestellt – was nach der Torflaute der letzten Saison bei fast identischem Personal und dem Weggang von Sinani und Houtondji doch sehr überraschend wirkt auf dem ersten Blick. Doch bei offensiverer Ausrichtung mit zwei Stürmern und dahinter einem offensiv denkenden Mittelfeldspieler, wobei diese Rolle eindeutig für Hrgota vorgesehen ist, ist der Kader auf einmal in einer Luxussituation.

Kaars, Ceesay, Jones und Hara sowie der zurück gekommene Banks kämpfen um zwei Plätze – beziehungsweise um eine Auswechseloption für eine der drei offensiven Positionen. Hinzu kommt eben noch Lage, sobald er zurück sein wird. Da haben wir enorme Wucht zu bieten, die sich in vielen Toren zeigen könnte. So zumindest meine Hoffnung für diese Spielzeit.

Defensiv sehe ich uns erst einmal erheblich anfälliger, vor allem bei den vielen Verschiebungen der defensiven Spieler und deren Einbindung in das offensive Spiel. Gerade die IV so weit vorn in den Testspielen zu sehen hat mich schon etwas Sorgen machen lassen, was eine stabile Verteidigung betrifft. Aber hier muß halt die richtige Gewichtung noch gefunden werden in den Pflichtspielen. Noch sehr viel Arbeit dürfte im Aufbauspiel von ganz hinten liegen, das sah weitaus holpriger aus als in den vergangenen Jahren. So sehr wir das offensive Pressing aktuell forcieren und daraus Torchancen genieren können, so sehr sehe ich uns hinten für eine ebensolche Taktik auch anfällig. Da wird das Trainingslager sicherlich auch ein Augenmerk drauf legen.

Der Millernton hat sich auch wie gewohnt fundiert und ausführlich zum Kader und der zu erwartenden Spielweise geäußert: https://millernton.de/2026/07/14/taktische-auffaelligkeiten-gegentreffer-kaderveraenderungen/.

Wir werden es erleben. Nicht nur am ersten Spieltag. Am 1.8.2026 wird der FCSP sein alljährliches Saisoneröffnungsspiel gegen Deportivo de A Coruña geben. Wer dort sein will, kann sicherlich das Eine oder Andere damit schon vor dem Ligastart selbst sehen.

Für uns ist das kein Tag, an dem wir ein bloßes Testspiel besuchen wurden, denn an diesem Tag ist die Pride Demo vom diesjährigen CSD, bei dem der FCSP auch wieder mit einem Wagen dabei sein wird. Wie wichtig ist, an diesem Tag dort zu sein, zeigt der Blick auf den immer stärker werdenen Gegenwind weltweit aber auch hierzulande auf, siehe nur https://www.blaetter.de/ausgabe/2026/juli/kampf-gegen-den-regenbogen oder https://www.ipsos.com/de-de/lgbt-deutschland.

Die reaktionären Kräfte richten sich primär gegen LGBTQIA+, die Union erfüllt hier grad die ganzen hasserfüllten Wünsche der Faschist*innen, siehe nur https://www.queer.de/detail.php?article_id=58772 – aber letztlich werden sie bei Anderen nicht halt machen. Wir sind am Ende alle betroffen. Und gerade die Queeren haben sich schon immer als besonders widerständig erwiesen, was es um so wichtiger macht, die Unterstützung lautstark und auch auf der Straße zu zeigen. Wer mag, kann auch nach der Demo zum Testspiel gehen, das wird zeitlich absolut machbar sein – für uns ist dieser Tag aber für den CSD vorgesehen, zumal ja schon am nächsten Wochenende das erste Spiel direkt am Millerntor stattfinden wird.

Kommt zum Hamburg Pride, „die Demo startet um 12 Uhr an der Lübecker Str. / Ecke Mühlendamm und führt über Steindamm, Kreuzweg, Steinstr. und Mönckebergstr. zur Lombardsbrücke“, siehe https://www.hamburg-pride.de/pride-2026.

Und auf eine wunderbare Saison! Auf St. Pauli!

(Bilder aus Kopenhagen, insbesondere der dortigen St. Pauli Bar, sowie aus Brighton bzw. London – die spielfreie Zeit haben wir ausführlich genutzt)