Stand jetzt wäre das Erreichen der Relegation ein großer Erfolg. Drei Spieltage haben wir noch bis zum Saisonende – zwei weitere Spiele könnten dann noch folgen, doch dazu müßten wir halt den Relegationsplatz erreichen. Nach den letzten Spielen spricht die Wahrscheinlichkeit leider deutlich gegen uns, auch wenn wir aktuell auf eben diesen Platz stehen. Aber auch die letzten drei Spieltage müssen noch bestritten werden.
Das 2-0 auswärts in Heidenheim am vergangenen Spieltag war in jeder Hinsicht ein Tiefschlag, der andererseits irgendwie auch zu erwarten war. Für Heidenheim ist der Abstieg nahezu rechnerisch sicher, sie müßten jeden Punkt holen und auf die Konkurrenz hoffen. Dies hat zu einer Art Trotzreaktion der Mannschaft geführt, die grad über sich hinauszuwachsen scheint.
Bei uns hingegen ist so eine Einstellung in keiner Hinsicht zu erkennen – mit einem Sieg wären wir gut dabei gewesen, bei einem Punkt hätten wir Heidenheim auf Abstand gehalten. So müssen wir eher damit rechnen, bis auf den letzten Platz zurück zu fallen und als 18. abzusteigen, als daß wir den Sprung auf den 15. Platz schaffen.
Das 1-2 am Millerntor gegen den SC Freiburg entsprach der Form beider teams, das 1-1 bei Union Berlin war eine vertane Chance, der 0-5 Untergang gegen die Bayern hat uns das Torverhältnis zerstört. All das wäre bei zwei Siegen in den dann folgenden Spielen kein Problem geworden, doch weder haben wir in Heidenheim was holen können, noch dreifach daheim gegen Köln punkten können. Das 1-1 war niederschmetternd für alle, auf den Rasen wie auf dem Platz. Das mag sich beim letzten Spieltag noch fortgesetzt haben, doch damit wir nicht unser Ziel erreichen können.
Sicher ist rechnerisch noch was möglich. War es vorher auch, nur läuft bei uns nichts mehr richtig zusammen. Als ob wir – und damit meine ich die ganze Mannschaft, den Verein und auch uns Fans – mit dem Gedanken im Hinterkopf an etwas Erreichbares und zugleich aufgrund der Chance, das Bisherige zu verlieren, noch abwarten würden. Auf was eigentlich? Das kann nur schief gehen. Aber selbst wenn, es gibt Grund, das alles nur hinzunehmen.
Ich habe das Gefühl, daß wir so lange wie gelähmt aufspielen, solange wir noch auf den Relegationsplatz stehen oder „die da oben“ rein theoretisch noch irgendwie erreichbar erscheinen (was im übrigen aufgrund der letzten Spiele wie auch der noch ausstehenden Partien absurd wirkt). Ja, die Phrase mit den Endspielen paßt, jetzt noch mehr als vorher. Aber ist es in den Köpfen? Von jedem einzelnen Spieler? Von der sportlichen Leitung? Von uns Fans, von uns allen?
Es gibt kein Morgen mehr, auf das wir warten könnten. Es gibt nur das hier und jetzt und da brennt quasi alles. Wir müssen jetzt über uns hinauswachsen. Alles geben. Kein Abwarten. Keine angezogene Handbremse. Wir müssen voll durchstarten. Ja, das kann dazu führen, daß wir genau gegen die Wand fahren. Na und? Das Wasser steht und bis an die Oberkante der Unterlippe und es steigt rapide. Wir müssen endlich schwimmen. Mehr als untergehen können wir auch nicht, das aber werden wir sicher, wenn wir nicht alles geben.
Alles. Alle zusammen! Daheim gegen Mainz. Im scheinbar unmöglichen Auswärtsspiel in Leipzig. Und am letzten Spieltag am Millerntor gegen Wolfsburg. Alles geben. Forza St. Pauli!





