Finanziell stabil, sportlich im freien Fall. Der #FCSP im November 2025.

Der November 2025 wird bei uns nicht gerade als ein Erfolgsmonat in Erinnerung bleiben. Erst daheim mit 0-4 gegen den damaligen Tabellenletzten aus Gladbach untergegangen, in Freiburg mit 2-1 noch relativ mitgespielt und wieder daheim gegen Union Berlin mit 0-1 eine weitere Nullpunktenummer eingefahren – die achte Liganiederlage in Folge. Und dann nach München zum FC Bayern, was soll da schon schief gehen… Das Weiterkommen nach Elfmeterschießen gegen die TSG Hoffenheim war das einzige sportlich positive Augenblickchen, aber das war dann auch Ende Oktober. Dieser November sieht uns im freien Fall. Und alle scheinen ratlos zu wirken, wie wir daran etwas ändern könnten.

Am fehlenden Einsatz liegt es ebensowenig wie an den Spielern, die zwar vom herbeigeschriebenen Marktwert her nicht auf der Augenhöhe der Bundesliga sind, aber das will ja weniger was heißen. Es kommt darauf an, was auf dem Platz geboten wird – und da waren wir in den ersten Spielen sowie mit vielen der Spieler in der vergangenen Spielzeit definitiv gut genug, um die Klasse zu halten. Und doch hat sich was verändert. Etwas Entscheidenes ist nicht mehr vorhanden. Doch wie läßt sich das umschreiben?

Vielleicht liegt es an der taktischen Umstellung, mehr in der Offensive unser Glück zu versuchen und nicht mehr das Hauptaugenmerk auf die stabile Defensive zu legen. Aber vermutlich dürfte es eher daran liegen, daß unser Aufbauspiel taktisch zerlegt wurde und wir noch keine Antwort gefunden haben, wie wir unser Spiel darauf neu einstellen können. Gerade die erste Halbzeit gegen Union wirkte auf mich so. Wir kamen quasi gar nicht aus unser eigenen Hälfte heraus. Mit enormen Einsatz und Risiko, höchster Geschwindigkeit und extremen Laufwegen haben wir versucht, den Ball aus bis über die Mittellinie zu bringen – meist war auf dem Weg dorthin schon Schluß, und wenn wir es tatsächlich über diese Linie hinaus geschafft hatten, waren wir so erschöpft und da vorne in so deutlicher Unterzahl, daß die Gäste uns meist problemlos vom Ball trennen konnten.

Die Berliner waren hingegen mit einem Paß oder auch mal zwei fast ohne Gegenwehr in unserer Hälfte und spielten dort wie beim Handball um unseren Strafraum, kamen ab und an auch dort hinein und so fiel dann auch das spielentscheidende Gegentor des Tages. Erst in Halbzeit zwei änderten wir unseren Einsatz, versuchten nicht allein in den freien Raum da vorne einen Paß zu spielen, was in den ersten drei Spielen so gut geklappt hatte, aber jetzt belassen alle gegen uns da hinten so viele Spieler, daß wir da gar nicht weiter kommen. Mit einer Führung im Rücken lassen sich unsere Gegner dann auch mal nach hinten fallen und uns kommen, so daß wir dann unsere Spielweise weiter vorne aufziehen können, wo wir dann tatsächlich auch mal Torgefahr zu entwickeln vermögen – bei einem verlorenen Ball hingegen geht es dann aber auch wieder schnell mal nach hinten los.

Fehler passieren bei uns zudem sehr oft und werden fast ausnahmslos bestraft – nahezu bei jedem ersten Treffer (gegen uns) im Spiel ist das so. Und das bekommen wir auch nicht abgestellt. Vermutlich, weil bei so hohem Einsatz dann irgendwann auch für einen Moment die Konzentration nachgelassen hatte. Oder woran es auch immer liegen mag. Wir müssen weg von dieser Riskanten Spielweise kommen. Gerade bei den Abschlägen würde ich hoch und weit versuchen und auf zweite Bälle in der Hälfte der anderen spekulieren, als mit hoher Wahrscheinlichkeit den Ball so kurz vor unserem eigenen Strafraum zu verlieren. Darauf haben die Mannschaften sich überall in der Bundesliga aber auch in anderen Spielklassen in Europa so sehr eingestellt, daß eine Taktikänderung auch bei uns nur eine Frage der Zeit sein sollte.

Wer den Fehler bei uns macht ist dann auch eher egal. Oft war es in den vergangenen Wochen Vasilj, der sonst so stabil ist. Aber auch der Rückkehrer auf der Kapitänsposition hat gegen Union mit seinem Patzer dafür gesorgt, daß wir eben doch zurück lagen und nicht stabiler da hinten standen.

Doch es bringt hier nichts, das auf einzelne Spieler zu projezieren – die Fehler passieren, weil irgend etwas bei uns nicht stimmt. Und irgendwer macht dann halt irgendwann einen Fehler, der dann nicht mehr zu reparieren ist. Fehler werden gemeinsam gemacht, genauso wie Spiele gemeinsam auch gewonnen werden und niemals als EInzelperson – da kommen wir nur gemeinsam heraus. Und daran müssen wir die ganze restliche Spielzeit arbeiten. Ganz egal, wo am Ende die Reise hingeht.

Finanziell stehen wir aufgrund des Aufstiegs aber wichtig gut da. Die Mitgliederversammlung hat die Erkenntnis gebracht, daß wir uns endlich wieder auf die wirtschaliche Gesundheit zurückbesonnen haben, die vor der Coronakrise bestanden hatte. Die damaligen Mindereinnahmen haben bei uns enorm reingeschlagen, im Gegensatz zu anderen Vereinen bekamen wir auch keine finanziellen Sonderspritzen, wir mußten das allein auf die Reihe bekommen. Und wir haben es geschafft.

Und gehen mit der geglückten Genossenschaft auch in der nahen Zukunft spannende weitere Wege. Eine Erweiterung des Millerntor ist geplant – was sehr viele Jahre an Planung und Verhandlungen mit der Stadt mit sich bringen wird. Aber es wird spannend werden. Und jeder Ausbau ist angesichts der Ticketnachfrage enorm wichtig. Gerade für den Fall, daß wir die Liga nicht halten können und uns die Fernsehgelder in der Bundesliga abhanden kommen.

Politisch ist nach wie vor vieles bei uns am kochen. Der absurde Antrag auf der Mitgliederversammlung wurde ja gar nicht erst gestellt, weil keiner kam, um ihn auch vor der Versammlung vorzutragen – daheim schreiben geht halt schnell, aber das reicht nicht in einem Verein mit Präsenzveranstaltung.

Und auch deswegen ist es gut, daß wir so etwas Wichtiges nicht online abhalten. Wir brauchen den persönblichen Kontakt, um miteinander auf Augenhöhe zu sprechen. Dabei kommen doch immer wieder Dinge zum Vorschein, die sonst verborgen sind – was ein ums andere mal Anträge hat scheitern oder auch durchkommen lassen, zu Überraschung aller vor der Versammlung selbst.

Der November ging mit dem 3-1 bei den Bayern mit der 9. Niederlage in Folge so zuende, wie er die ganze Zeit schon lief. Und wir stehen auf einem direkten Abstiegsplatz. Hochverdient, wie fan anmerken muß, auch wenn wir in München besser aussahen als gedacht und erst in der Nachspielzeit die beiden Treffer kassierten, die uns keine Punkte einbringen sollten.

Am unangenehmsten ist dabei noch die Verletzung von Hountondji, der uns in den ersten Minuten des Spiels sogar in Führung geschossen hatte und das sehr sehenswert. Hoffentlich fällt er nicht lange aus, wir können alles gebrauchen, was uns irgendwie voran bringt…

Hilft ja alles nichts. Weiter geht es. Auf St. Pauli!