Der Einbruch zum Ende der Spielzeit 2025/2026 konnte durch kein Torverhältnis oder irgendein Punktepolster aufgefangen werden, wir waren einfach in allen Kategorien am Ende schlechter als alle anderen Vereine und sind somit verdient als Tabellenletzter abgestiegen. Daß es Heidenheim zusammen mit uns erwischt hat, ergibt zumindest einen weiteren angenehmen Verein mit uns in der 2. Bundesliga, was angesichts des tragischen Abstiegs von Fortuna Düsseldorf in die 3. nicht zu unterschätzen sein wird.
Die letzten drei Spieltage haben uns null Punkte und ein noch schlechteres Torverhältnis eingebracht, wenngleich das 1-2 daheim gegen Mainz, das 2-1 in Leipzig und das 1-3 gegen die vor dem letzten Spieltag punktgleich angereisten Wolfsburgern, welche sich dadurch auf den Relegationsplatz spielten, zumindest für uns jeweils einen Torerfolg bedeutet hatten. In den sieben Spielen davor ist uns das auch nur dreimal gelungen und zeigte eines der Probleme dieser Saison auf. Die defensive Stabilität war gut, irgendwo im Ligadurchschnitt, aber wenn wir vorne so gut wie nie trafen, dann war jeder Gegentreffer quasi ein Nackenschlag.
Egal unter welchen Trainer oder mit welchen Spielern, in der 2. Bundesliga sind wir nicht mehr eines von zwei teams, welches abgeschlagen mit dem schwächsten Marktwert nahezu Wunder vollbringen müssen, um die Klasse halten zu können. Wir werden nach diversen Abgängen auf Augenhöhe mit eigentlich allen Vereinen sein, vielleicht im oberen Drittel vom Marktwert, von den finanziellen Möglichkeiten vermutlich eher im Mittelfeld mit möglichen Ausreißern nach oben (Abstiege sind in der Regel teuer, können aber auch durch Ablösen Geld in die Kassen spülen). Wir müssen unsere Spielweise anpassen. Hinten selbstverständlich so wenig wie möglich Tore zulassen, aber vor allem das Spiel selbst gestalten können, auf eigene Treffer drängen und den Ball auch immer und immer wieder ins andere Netz bugsieren.
Es gab wohl keinen perfekteren Aufstiegstrainer als Hürzeler, den wir nicht ohne Grund in die höchste Spielklasse nach England abgeben mußten, einfach weil er zu gut für uns war. Mit Blessin haben wir einen sehr guten Trainer an die Seitenlinie geholt, der die relativ vogelwilde Spielweise seines Vorgängers an die geänderten Umstände anpassen konnte. Seine eigene Spielidee, nämlich ein gefährliches Umschaltspiel, bekam er zu keinem Zeitpunkt in der 1. Bundesliga auf den Platz, weder mit dem angepassten Aufstiegskader noch mit den Neuzugängen in der Abstiegssaison.
Die Unzufriedenheit von Stürmern wurde mehrfach dokumentiert in diversen Interviews und führte auch zu schmerzhaften Abgängen. Es mag in die defensive Ausrichtung gepaßt haben, nahezu jedes Risiko im Spiel zu minimieren, doch das Ergebnis war weder besonders mitreißend noch für mehr als eine Spielzeit erfolgreich genug. Wie es ohne das enorme Verletzungspech ausgegangen wäre, läßt sich aber auch nicht sagen – beispielsweise gerade die Qualität von Jones hat uns enorm gefehlt, was auch am letzten Spieltag bei seiner Rückkehr wieder aufblitzte.
Wirklich sicher wird sein, daß wir nicht einfach auf dem Bisherigen aufbauen können, da wir mit den Abgängen der spielstärksten Spieler rechnen müssen. Auch der Abgang des stärksten Torhüters, den wir in diesem Verein wohl jemals hatten, wird nicht einfach aufzufangen sein – Danke an Nikola Vasilj für alles, was er für den FCSP getan hat! Aber mit Ben Voll haben wir weiter einen keeper, der seine Klasse schon zeigen konnte und beim dem wir glücklicherweise im Tor keine Probleme erwarten müssen.
Gerade im Mittelfeld aber, welches sowohl für eine defensive Stabilität als auch für den Aufbau eines Spiels nach vorn entscheidend ist, werden wir solche Spieler wie Sands oder Fujita mit Sicherheit ebenso vermissen wie einen Irvine in Bestform, die zu lange nicht mehr auf den Platz gezeigt werden konnte (von neben dem Platz jetzt mal zu schweigen).
Auch ein Eric Smith war lange nicht mehr bei dem gewohnten level und sein Abgang wird sowohl in der Abwehr als auch in Mittelfeld Lücken hinterlassen. Hier werden wir wohl größtenteils einen Neuaufbau erleben. Gerne auch wieder mit der lange vermissten Torgefahr.
Die Abwehr wird einige Umstellungen ertragen müssen, aber daran war sie durch fortlaufende Verletzungsausfälle in der abgelaufenen Saison ja schon lange gewohnt. Konstanz dürfte hier auch wieder ein Schlüssel zum Erfolg werden. Neben dem schon erwähnten Smith sind nun auch von Karol Mets Abschiedsworte veröffentlicht worden. Bei Hauke Wahl sieht es auch eher nach Abschied aus. Die Verletzungszeiten von Saliakas lassen seine weitere Mitwirkung fraglich erscheinen. Die genannte Verletzungszeit dürfte hingegen bei Nemeth keine Rolle spielen. Ob wir die starken Pyrka und Ando werden halten können, dürfte zumindest fraglich erscheinen. Das dürften einige Baustellen werden.
Sinani verläßt uns, der gerade in der letzten Spielzeit, verletzungsfrei, seine Klasse endlich zeigen konnte und daher die meiste Spielzeit aufwies, Hountondji nach Leihende geht ebenso – und Pereira Lage wird uns wohl mindestens die Hinrunde verletzt fehlen. Bleiben mit Jones, Ceesay, Kaars und Hara vier unterschiedliche Stürmertypen, die bislang unter ihren Möglichkeiten im alten System blieben und bei denen es spannend werden wird, wie diese womöglich aufblühen werden, wenn wirklich nach vorn gespielt werden muß in Liga 2.
Von Hara als Wandspieler haben wir eigentlich noch nichts zu sehen bekommen, Jones und Kaars weisen Geschwindigkeit und Gefahr nach vorn auf, Ceesay gefällt mit seiner Wildheit, zudem auch Schnelligkeit und am Ende der Spielzeit sogar Torgefahr – aber auch hier gilt es abzuwarten, ob wir diese auch alle in der nächsten Spielzeit zu sehen bekommen, oder ob hier noch der eine oder andere Weggang passieren wird. Spannend dürfte zudem werden, wie mit Scott Banks nach seiner Leihe verfahren wird.
So oder so wird es wieder einmal eine Aufgabe für Bornemann, sowohl was den Kader als eben auch die Trainerposition betrifft. In den nächsten Tagen soll sich entscheiden, ob es mit Blessin weiter gehen wird. Er hat noch nie zeigen können, wie er auf Augenhöhe mit anderen Vereinen bei uns als Trainer funktioniert. Und sein Einsatz an der Linie sowie seine emotionale Verbundeheit mit dem Verein haben sich nach Saisonende deutlich gezeigt, womit es für seinen Verbleib genügend Gründe geben würde. Aber auch für einen Abgang. So oder so wird es eine Neuausrichtung der Spielweise geben müssen, ganz egal unter welchen Trainer.
Was bleibt? St. Pauli ist die einzige Möglichkeit. Wir stehen jede Zeit zusammen durch, da ist die Liga zweitrangig. Wohin die Reise nächste Saison geht, wird von den nächsten Wochen und Monaten der Veränderung abhängen.
Nur eines ist sicher: für immer mit Dir, magischer FC! Auf St. Pauli!












