Der Tausch des Tabellenplatzes mit den geschätzten Gästen aus Bremen hat uns vor dem letzten Februarspiel aus der direkten Abstiegszone gebracht. Von einem Platz tiefer kommend fühlt sich der Relegationsplatz 16 richtig gut an – aber natürlich lautet das Ziel weiterhin Klassenerhalt und der ist sicher erst ab Platz 15. Ob wir diesen am Ende erreichen können, hängt von vielen Faktoren ab – vor allem natürlich von uns selber. Wir müssen weiter punkten. 20 Punkte haben wir nun auf dem Konto und auch wenn die 40er Marke in dieser Liga nahezu jede Spielzeit unterboten wird beim ersten direktem Ligaverbleib, so dürften doch mindestens 34 Punkte nötig werden, womöglich noch mehr, um das erwähnte Ziel erreichen zu können.
Dies würde für uns definitiv eine deutliche Steigerung der Punktezahl pro Spiel erfordern – aktuell haben wir nach 23 Spielen einen Schnitt von unter 0,9 Punkten, benötigen also in den letzten 11 Spielen einen Schnitt von 1,3 Punkten. Das klingt nicht nur viel, wir haben zudem jetzt Vereine anstehend, gegen die wir in der Hinrunde eine lange Niederlagenserie eingefahren hatten. Gegen drei dieser Vereine haben wir allerdings die letzten Spiele bestritten und dabei zweimal daheim gewinnen können – eine direkte Wiederholung der Hinrunde ist damit schon einmal ausgeschlossen. Anders gerechnet brauchen wir ungefähr noch vier bis fünf Siege und / oder ein paar Unentschieden, um die erwähnten Punkte zu erreichen. Das ist fast jedes zweite Spiel und zeigt auf, wie schwierig die Lage nach wie vor ist.
Nach dem 23. Spieltag der letzten Saison standen wir einen Platz und einen Punkt besser dar, vom eklatant besseren Torverhältnis ganz zu schweigen. Da gab es allerdings auch Vereine, die es am Ende auch deutlich verdient eine Etage tiefer befördert hatte. So einen Unterschied gibt es in dieser Spielzeit nicht. Die finanziellen Möglichkeiten aller anderen Vereine stehen im mehr oder weniger krassen Gegensatz zu unseren. Sollten wir in dieser Spielzeit auch nur den Relegationsplatz erreichen können, so wäre das aufgrund der erwähnten Gegebenheiten schon eine eine kleine Sensation. Es ist definitiv schwieriger als in der letzten Saison. Aber es ist nach wie vor rechnerisch möglich. Bei weitem nicht sicher, nicht einmal sehr wahrscheinlich, aber wir haben elf Endspiele vor uns, die wir mit allem Einsatz bis zur letzten Sekunde angehen müssen – und danach womöglich gar noch zwei weitere.
Entscheidend dürften die letzten fünf Spieltage werden, wo wir gegen Köln, Mainz und Wolfsburg daheim sowie auswärts in Heidenheim ran müssen – und auch noch in Leipzig, aber das ist dann eher so schwer wie die Spiele davor, wo wir in der Hinrunde eben keinerlei Punkte holten – und gegen die fünf letzten Vereine in der Hinrunde gerade einmal fünf Punkte. Wir müßten im Vergleich unsere Punkteausbeute also verdreifachen, um darauf zu hoffen, die Klasse halten zu können. Das wird nur mit Siegen gehen, vor allem daheim – und vielleicht ein paar überraschenden Unentschieden. Wie gesagt, schwierig, aber eben nicht unmöglich. Leben steckt definitiv in dieser Mannschaft. Da geht was!
Das Kalenderjahr 2026 starteten wir auch schon gegen Werder daheim, doch da erzielte noch keine Mannschaft ein Tor. In Wolfsburg und Dortmund machten wir es diesbezüglich zwar besser, doch kassierten wir jeweils ein Tor mehr, als wir erzielen konnten (2:1 bzw. 3:2) – und daß auch noch jeweils in den letzten Minuten. Spielerisch nahe am Offenbarungseid war das dann wieder torlose Stadtderby der Langeweile, aber der Punkt wurde dann gegen Leipzig, ebenfalls daheim und im Nachholspiel, wiederholt, diesmal traf wir kurz vor Schluß zum 1:1.
Die beiden folgenden Auswärtsspiele gingen dann wieder verloren, erst in Augsburg mit 2:1 und dann deutlich in Leverkusen mit 3:0 – letzteres war dann das Ausscheiden im DFB-Pokal. Das Ligaspiel im übernächsten Spiel verloren wir gar dort mit 4:0, doch dazwischen lag der wichtige Heimdreier gegen den VfB Stuttgart, 2:1. Und das gleiche Ergebnis konnten wir dann am letzten Wochenende gegen Werder holen.
Glänzen konnten wir dabei vor allem im Heimspiel gegen den Vfb Stuttgart. Hier waren wir spielerisch und kämperisch nicht nur auf Augenhöhe, wir haben am Millerntor ein extrem starkes Heimteam erleben können. Bezeichnenderweise hatte die Führung ein Abwehrspieler erzielt und zwar kein anderer als Saliakas, der lange Zeit gegen Pyrka das Nachsehen hatte und kaum Einsatzzeit bekam. Bis eben auf dieses Spiel, in welchem Blessin auf die Idee gekommen ist, BEIDE einzusetzen und zwar auf beiden Außenverteidigerpositionen. Dies hat auf der ihm ungewohnten Seite Pyrka nicht nur großartig hinbekommen, Saliakas hat auf seiner Seite ein enorm starkes Spiel gemacht und es würde mich wundern, wenn wir von dieser Traumbesetzung der Außenverteidigung bis zum Saisonende abweichen, wenn keine anderen Gründe vorliegen wie Sperren, Verletzungen oder Erholungspausen.
Einen gebrauchten Tag hatte Dzwigala, sonst ja ein sicherer Ersatz, wo immer es da hinten ausfallmäßig brennt, aber an dem Tag hätte er beinahe noch mit einem Eigentor den Ausgleich erzielt, der Ball ging zum Glück nur ans Gebälk. Auch sonst war nahezu jede Ballberührung von ihm ein Grund für eine leichte Panikattacke. Aber er kann es viel besser und solche Tage passieren einfach. Vielleicht sehen wir ihn schon beim nächsten Auswärtsspiel in Hoffenheim wieder.
Sinani erzielte mit einem Elfer noch das 2:0, bevor die Gäste dann doch noch den 2:1 Endstand schiessen konnten. Spieler des Spiels war aber eindeutig Ando, der so überragend und schnell ins Team gekommen ist, daß er ebenfalls nicht mehr wegzudenken ist. Ausgerechnet beim nächsten Spieltag könnte es aber sein, daß er angeschlagen aussetzen muß, doch hoffen wir einfach mal, daß dies nicht so kommen wird. Er ist einfach ein Garant dafür, daß wir dahinten wieder überwiegend sicher stehen.
Dies gilt auch für Hauke Wahl, der zum Glück wieder mit dabei sein kann und gerade gegen Werder zeigen konnte, wie wichtig er ist. Nicht nur, weil er das 1:0 erzielte – das war sehr eindeutig ein Torwartfehler, aber dafür mußte dennoch der Ball zielgenau genug aufs Tor kommen. Vor allem aber nach hinten ist Hauke einfach zu gut, als daß wir auf ihn verzichten könnten.
Fujita kann nicht nur als Feiermaschine auftreten, gegen Bremen erzielte er auch sein erstes Tor, wunderschön aus dem Spiel heraus zum Siegtreffer. In einem Spiel, welches wir in der ersten Hälfte überhaupt nicht in den Griff bekamen, dafür aber irgendwie sicher genug hinten standen – und wenn die Gäste mal durch waren, versagten sie auf sehr schräge Weise beim Abschluß. Wir spielten nicht gut, vor allem in Halbzeit eins nicht, aber was Werder da ablieferte, war wohl die schlechteste Saisonleistung, die ich bislang in dieser Liga gesehen habe – und da waren einige von uns dabei, die dafür in Betracht zu ziehen waren.
Anders halt in der 2. Hälfte, die Umstellung und die Auswechslung von Kaars hatten sich bezahlt gemacht, wir waren nach vorn durchschlagkräftig genug, die beiden Tore zu erzielen und hinten mußte ein Ausrutschen von Vasilj dafür sorgen, daß der Ball nicht richtig geklärt wurde und im Nachschuß dann irgendwann doch der Ball in unserem Netz war. Doch das 2:1 am Ende bedeutete wichtige Punkte. Und macht Mut für die weitere Spielzeit.
Am letzten Tag im Februar mußten wir dann noch in Hoffenheim ran. Ando fiel aus, dafür zog sich Smith neben Mets und Wahl in die Abwehr zurück, was auch richtig gut funktionierte. Sands kam neben Irvine ins Spiel, auf den Außen wieder Saliakas und Pyrka, nach vorn sollten es Pereira Lage, Fujita und Sinani richten. Zuerst mußten wir uns den Angriffen des Tabellendritten erwehren, kamen dann immer besser ins Spiel, dann unterlief Vasilj ein Abstoßfehler, den er aber sogleich selbst berichtigen konnte – leider auf Kosten einer blutigen Nase, doch er konnte weiterspielen und hielt das ganze Spiel über einfach nur großartig Nach vorn ging eigentlich eher wenig, Fujita wirbelte gefährlich, aber sonst kam kaum ein Zusammenspiel im Angriff zustande. Und dann kam dieser Traumangriff in der Nachspielzeit der ersten Hälfte, den Pereira Lgae per Kopf nach einer genialen Flake vollendete zum 0-1 Siegtreffer. In Halbzeit zwei verteidigten wir gut und den Rest erledigte hinten Vasilj, so daß wir den Auswärtssieg und wichtige drei Punkte im Kampf um den Klassenerhalt einstecken konnten.
Stand jetzt sind wir gar auf den 15. Tabellenplatz hochgesprungen, woei Wolfsburg uns dan noch wieder überholen kann. Wir haben 23 Punkte nach 24 Spielen und sind in einem richtig guten Lauf. Nur zwei Punkte und das Torverhältnis trennen uns vom 12. Platz, es sieht auf einmal alles wieder viel angenehmer aus. Aber noch ist lange nichts erreicht. Aber ein Anfang ist gemacht! Mission Klassenerhalt geht weiter. Alle alles geben! Auf St. Pauli!












